Schweizer Cup, Achtelfinal: HC KTV Altdorf (NLB) – Wacker Thun (NLA) 21:35

 

Urner forderte die „Grossen“ während einer guten Viertelstunde. Danach setzten sich die klar favorisierten Gäste immer deutlicher ab.

 

Proppenvoll präsentierte sich am Dienstagabend die Feldli-Sporthalle. Was wunder: Angesagt war der mit Hochspannung angekündigte Achtelfinal gegen den amtierenden und bereits vormals zweifachen Schweizer-Cup-Sieger Wacker Thun. Die Berner Oberländer, übrigens nur ein Jahr vor dem HC KTV Altdorf gegründet (1961), waren in Bestbesetzung angetreten und natürlich sonnenklar favorisiert. Doch die Urner hielten der Handballprominenz während fast eines Drittels der gesamten Spielzeit mit Elan, Kampfgeist und Topaktionen respektlos dagegen.

 

Weltmeister gaben Spielball frei

 

Die Partie eröffneten die beiden frischgebackenen Radball-Weltmeister Dominik Planzer und Roman Schneider. Das Aushängeschild von Radsport Altdorf hatte in Deutschland unlängst den Weltmeistertitel erobert. Die Vertreter des befreundeten einheimischen Sportklubs hatten es sich nicht nehmen lassen, den „kick off“ – wenn man dies auch im Handball so nennen darf – vorzunehmen. Dies unter ohrenbetäubendem Applaus, verstärkt durch eine fahnenbestückte und mit mächtigen Treicheln einmarschierte Fantruppe der Weltmeister. Unter den rund 750 Schaulustigen hatte sich natürlich auch viel Prominenz eingefunden. Allen voran die Regierungsräte Barbara Bär und Beat Arnold, beide in früheren Zeiten selber aktive (und erfolgreiche) Handballer des HC KTV Altdorf. Mit besonderem Interesse wurde selbstverständlich das Einlaufen Lukas von Deschwandens erwartet. Er, aus der Talentschmiede des HC KTV Altdorf hervorgegangen, trägt bereits seit 2009 das Dress des Berner Oberländer Erfolgsvereins. Der 23-jährige, 1.89 m grosse Hochschulstudent (Uni Bern), setzte sich vor dem „eigenen“ Publikum immer wieder schnörkellos in Szene: Als aktueller Topskorer der Wacker-Truppe im Rahmen des nationalen Campionats setzte er den Ball – als erfolgreichster Netzjäger des Abends – gleich zehnmal in den gegnerischen Netzhimmel. Gegen seine Abschlusskünste und Finten blieb die KTV-Abwehr oft weitgehend machtlos. Am Spielfeldrand beeindruckte natürlich besonders Thuns Cheftrainer Martin Rubin. Der 1.98 m grosse Hüne zeigte sich gegenüber den Altdorfern besonders gesprächsbereit, wohl wissend, dass eines seiner besten „Pferde“ eben aus dem „Stall“ des HC KTV Altdorf stammt. Rubin hat die Schweizer Handballszene übrigens entscheidend mitgeprägt. In der Nationalliga A bestritt er während seiner Karriere 426 Partien, dabei 2166 Treffer markierend. Bei Wacker Thun ist er seit 1991 engagiert und hat als Erfolgstrainer unverkennbare Spuren hinterlassen. In den Reihen der Nationalmannschaft bestritt er nahezu 250 Einsätze.

 

8:8 nach 16 Minuten

 

Der HC KTV Altdorf zeigte sich von klingenden Namen zu Beginn der Partie nicht sonderlich beeindruckt. Er wartete mit einem spielerischen Feuerwerk auf. Nachdem Spielertrainer Daniel Brack einen Penalty zum Führungstreffer verwertet hatte, setzten Thomas Mohenski und erneut Brack den Ball in den gegnerischen Kasten (3:1). Dem 3:3 folgte ein weiterer verwerteter 7-Meter-Wurf Bracks (4:3). Ein Abwehrscharmützel zwischen Sebastian Munzert und von Deschwanden beurteilten die beiden generell aufmerksam arbitrierenden Boskoski/Stalder als zeitstrafenwürdig. In Überzahl fackelten die Gäste nicht lange: Von Deschwanden war für die erstmalige Führung seiner Truppe besorgt. Zwei weitere Treffer führten zum 4:7. Die ausgezeichnet reagierenden Urner schufen den Gleichstand durch Christoph Piske (2) und Munzert – dem 7:8 setzte Brack mit einem weiteren erfolgreichen Penaltyhammer das 8:8 entgegen. Thun drängte den HC KTV Altdorf in der Folge vermehrt in die Defensive. Fazit: 8:12. Beim Stande von 9:12 wussten die Innerschweizer ein doppeltes Überzahlspiel fatalerweise nicht in Zählbares umzusetzen. Einem allein vor seinem Kasten aufkreuzenden Wacker-Spieler kaufte Marcel Luthiger – auch an diesem Abend mit etlichen Topparaden aufwartend, wie später auch Nicolas Stocker – den Schneid ab. Bis zur Pause hatten die Berner Oberländer ihren Vorsprung weiter leicht ausgebaut (12:17). Im Verlaufe des zweiten Spielabschnittes vermochten die Gastgeber nicht mehr ganz an die während der ersten halben Stunde erbrachten Leistungen anzuknüpfen. Verschiedene Akteure versuchten es etwas allzu oft auf eigene Faust, zudem häuften sich in den KTV-Reihen die technischen Unzulänglichkeiten, verbunden mit Ballverlusten. Schliesslich gewann Wacker Thun standesgemäss. Für die beiden letzten Treffer auf Seite der Platzherren waren Lukas Huwiler und Martin Betschart besorgt. Coach Predrag Ceko hatte, nachdem der Ausgang der Begegnung vorzeitig klar war – seinem gesamten Spielerkader umfassende Einsatzmöglichkeiten gewährt. Es wurde dem entgegengebrachten Vertrauen weitestgehend gerecht, auch wenn in der Schlussviertelstunde nur noch sechs Erfolgserlebnisse glückten.

 

Stimmen zum Spiel

 

Lukas von Deschwanden (Thun): „Während der dem Spiel vorangegangenen Tage hatte ich meinen Kollegen immer wieder eingebläut, die Partie ja nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Glücklicherweise wurde die Warnung nicht in den Wind geschlagen. Altdorfs Kollektiv lieferte generell eine ausgesprochen positive Leistung ab und profitierte von der grossartigen Unterstützung seiner Fans. Es liess die Begegnung zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.“

 

Daniel Brack (Altdorf): „Während des ersten Spieldrittels zeigten wir eine höchst kompakte Leistung. Danach vermochte Wacker Thun mit der ersten respektive zweiten Welle zu einfachen Toren zu kommen. Schade, dass es unserer Deckung nicht gelang, die hochkarätigen gegnerischen Akteure besser in den Griff zu bekommen. An einer Optimierung in diesem Bereich müssen wir ganz einfach weiter hart arbeiten. Was die zweite Halbzeit anbelangt, wirkten wir oft etwas (zu) zerfahren. Daraus entwickelten sich viele Gegenstösse zugunsten der Gäste, die natürlich fast immer ins Auge gingen. Ich will die Niederlage nicht schönreden, aber ein besseres Resultat wäre für uns durchaus möglich gewesen. Dass wir während des zweiten Spielabschnittes übrigens allen aufgebotenen Akteuren viel Einsatzzeit zugestanden, hatte seinen guten Grund: Erstens sind sie allesamt gut im Schuss, zweitens galt es unsere Kräfte im Hinblick auf die schwierige samstägliche NLB-Meisterschaftspartie (auswärts gegen das in einer prekären Lage steckende GC/Amicitia Zürich) möglichst haushälterisch einzuteilen.“

 

Altdorf spielte mit: Marcel Luthiger, Nicolas Stocker; Christian Bär, Dave Bär, Martin Betschart (2), Daniel Brack (5), Jost Brücker (1), Tizian Dossenbach (2), Ivan Fallegger (1), Lukas Huwiler (3), Thomas Mohenski (1), Sebastian Munzert (2), Christoph Piske (4), Dave Zürcher.

 

Thunaltdorf

 

Cup-Achtelfinalist Wacker Thun.

 

 

 

Altdorfcupthun

 

Cup-Achtelfinalist HC KTV Altdorf.

 

 

 

Davebaer 

 

 

Dieses Trio des Altdorfer Bär-Familienclans stand am Dienstagabend (in beiden Lagern) auf dem Parkett; von links: Dave Bär, Lukas von Deschwanden, Christian Bär.

 

 

 

Fansradsport

 

 

 

Die grosse Supportergruppe des weltmeisterlichen Radsport Altdorf prägte das Handballspektakel phonstark.

 

 

 

BaumannRubin

 

 

Handballlegende (und Cheftrainer Wacker Thun) Martin Rubin (rechts),

mit HC-KTV-Ehrenpräsident Joseph Baumann.

 

 

 

 

 

 

HuwylerCup

 

 

 

 

Lukas Huwiler setzte den Ball dreimal in die Maschen des Schweizer-Cup-Titelträgers 2012, Wacker Thun. FOTOS: RUEDI AMMANN