Nati B: HC KTV Altdorf - Yellow Winterthur 34:30

Urner gaben erneut klaren Vorsprung preis. Zuletzt rettete beeindruckender Kampfgeist beide Punkte.

Die Matchuhr tickte in der Feldliarena am Samstagabend unerbittlich dem Ende entgegen, nachdem die Gastgeber in der 50. Minute nach klarer Führung - Erinnerungen an Endingen wurden brutal ans Tageslicht gezurrt! - gegen den Winterthurer Renommierklub das 26:26 zugelassen hatten. Es schien in der Folge, dass die Tatort-Krimi-Takte, welche der Lautsprechermanager anschliessend im Rund erschallen liess, die Altdorfer aus ihrer vorübergehenden Lethargie zu wecken schienen und zu einem tollen Finish anstachelten. Die Urner gewannen den Fight schliesslich mit vier Längen Unterschied. Sie wahrten dadurch den Vorsprung an der NLB-Tabellenspitze (17 Spiele/31 Punkte) mit vier Verlustpunkten Differenz auf das in Genf siegreiche Suhr/Aarau (37:27, 18/29). Endingen und Yellow Winterthur weisen in der NLB-14er-Gruppe im Spitzensextett nach 18 Partien jetzt je 22, Chênois/Genf 21, Möhlin 20 Zähler auf.

Zwei-Tore-Vorsprung dank zwei Brücker-Treffern in Unterzahl

Die Heimpartie begann - vor rund 400 Kiebitzen - mit Toren am Laufmeter. Die spritzigen Zürcher versetzten die eine Prise (zu) bedächtig und unentschlossen wirkende KTV-Deckung Mal für Mal, nachdem die Altdorfer ihre ersten Treffer durch Jost Brücker (2) und Lukas Huwiler unter Dach gebracht hatten. Bis zur 21. Minute lagen die Winterthurer meist ganz knapp in Front. In der 20. Minute lautete der Zwischenstand 14:14, nachdem KTV-Spielertrainer Daniel Brack einen Penalty nicht ins Ziel gebracht hatte, Marcel Luthiger im Tor verschiedene hervorragende Paraden abgeliefert, in der Folge Nicolas Stocker dessen Platz zwischen den Pfosten eingenommen und sein Aufgebot ebenfalls gerechtfertigt hatte. Danach zog Jost Brücker eine Schau der Sonderklasse ab: In einer Phase numerischer Unterlegenheit donnerte er den Ball gleich zweimal hintereinander ins gegnerische Netz. Tizian Dossenbach sowie Dave Zürcher setzten weitere Akzente (19:15). Dank eines Doppelschlags unmittelbar vor der Pause (Brack und Brücker) erhöhten die Platzherren auf 22:16. Torhüter Stockers Zwischenbilanz: „Nach einer nicht immer überzeugenden Abwehrleistung wirkte unsere Deckung plötzlich hellwach, offenbar definitiv merkend, dass es in dieser Partie wirklich um viel ging.“

Reserven schmolzen wie Schnee an der Frühlingssonne

Unmittelbar nach Wiederaufnahme der Begegnung traf Spielertrainer Daniel zweimal hintereinander ins Volle. Stocker machte ein Winterthurer Penaltygeschoss dingfest, um anschliessend dreimal hintereinander allein gegen sich losziehenden Yellow-Akteuren respektlos den Zahn zu ziehen. Doch zwischen der 38. und 50. Minute tat sich auf Altdorfer Seite allerlei Ungereimtes: Das Team wirkte unbegreiflicherweise plötzlich verunsichert, verzeichnete in seinen Reihen ungewohnt zahlreiche Unkonzentriertheiten und liess die Besucher aufholen respektive gleichziehen (25:25). Das schien den Innerschweizern aber doch etwas allzu starker Tabak. Sie arbeiteten sich aus dem zwischenzeitlichen Loch - zweimal Christoph Piske sowie Thomas Mohenski sowie der einen Winterthurer Penalty parierende Stocker liessen das 28:25 Tatsache werden - heraus. Nach einer gegen Brack verhängten Zeitstrafe verkürzten die Winterthurer abermals (29:28), doch Piske traf noch dreimal ins Schwarze. Den Rest besorgten Dossenbach sowie Fallegger – Letzterer mit einem sensationellen Drehschuss. Die erfolgreichsten KTV-Skorer waren an diesem Abend übrigens Piske, Brücker und Brack; sie erzielten zusammen 20 aller KTV-Treffer. Tizian Dossenbach verzeichnete als Einziger eine hundertprozentige Abschlussquote; Marcel Luthiger parierte 3 von 14, Nicolas Stocker 13 von 32 der auf ihr Tor abgegebenen Schüsse.

Altdorf spielte mit: Marcel Luthiger, Nicolas Stocker; Christian Bär, Martin Betschart, Daniel Brack (3), Jost Brücker (7), Tizian Dossenbach (2), Ivan Fallegger (2), Lukas Huwiler (3), Thomas Mohenski (3), Sebstian Munzert (5), Christoph  Piske (8), Dave Zürcher (1). – Coaching: Predrag Ceko, Burkhard Keller. – Schiedsrichter: Fabian Jergen/Matthias Zaugg (überzeugend).

 

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Stimmen zum Spiel

Coach Predrag Ceko: „In der kritischen Phase der zweiten Halbzeit wirkte unser Kollektiv zu ängstlich respektive unsicher. Glücklicherweise fand es aber in der Folge zu den bekannten Qualitäten zurück, gegen die quirligen Zürcher das entsprechende Rezept und realisierte mit viel Kampfgeist den doppelten – und auch durchaus verdienten – Punktegewinn.“

Spielertrainer Daniel Brack: „Es ist in unserer Situation ausgesprochen schwierig, zu reüssieren. Denn es erscheint alles andere als einfach, als von den „Jägern Gejagte“ im Brennpunkt zu stehen. Alles in allem möchte ich von unserer Mannschaft den Hut ziehen. Sie hat in der entscheidenden Schlussphase einmal mehr viel Charakter gezeigt und beeindruckenden Kampfgeist entwickelt. Unsere Lage als Tabellenerste bleibt unangenehm, doch wir wollen ganz einfach die gestellte Aufgabe, den Gruppensieg definitiv an Land zu ziehen, im positiven Sinne lösen.“

Topskorer Christoph Piske (8 Treffer, während der ersten Halbzeit unerbittlich manngedeckt): „Ein kräftezehrender Fight bis zuletzt. Ich selber litt zunehmend an Kurzatmigkeit, zweifellos eine Folge der jüngsten Grippeerkrankung. Ich war abschliessend umso glücklicher, dass wir einen weiteren Härtetest erfolgreich bestanden haben und den restlichen neun Einsätzen zuversichtlich entgegensehen dürfen.“

Zeitnehmerchefin Andrea Valsecchi: „Die Partie riss auch uns am Tisch der Offiziellen von den Sitzen. Anderthalb Stunden Spitzenhandball waren ebenso faszinierend wie nervenaufreibend. Als Fan des HC KTV Altdorf bin ich in der hektischen Schlussphase buchstäblich um einige Jahre älter geworden. Aber schliesslich hat sich das „Mitleiden“ mit unserer Truppe, die den Härtetest doch eindrücklich bestanden hat, ausbezahlt.“

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Christoph Piske traf gegen Yellow Winterthur achtmal ins Volle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Thomas Mohenski lässt Winterthurer Deckung alt aussehen.

 

 

 

 

 

Tizian Dossenbach erzielt den wichtigen 33. Treffer;

rechts aussen Sebastian Munzert.

 

FOTOS: RUEDI AMMANN