Nationalliga B: HBC West – HC KTV Altdorf 21:30

 

 

Tolle Reaktion in der Romandie nach den schwachen Vorbereitungsspielen. Mit dem klaren Erfolg tat der KTV einen Sprung auf die fünfte Tabellenposition.

 

BetschartMatinDie Vorzeichen auf einen erfolgreichen Start ins Meisterschaftsrestprogramm waren zappenduster. So hatten die Urner im Rahmen der Vorbereitungsspiele gegen zwei Luzerner 1.-Liga-Vereine schwache, phasenweise gar penible Leistungen aufs Parkett gelegt. Am Samstagabend nun vollzogen sie - und erst noch ohne den verhinderten Thomas Hürlimann (Arbeit), die verletzten Christian Bär und Michael Bissig und mit einem an den Folgen einer Verletzung laborierenden Florian Wisotzki angetreten - einen genialen 360-Grad-Schwenker, wirkten effizient sowie kampffreudig und lieferten vorweg in der Abwehr eine Starke Leistung ab. Nichts vermöchte dies besser zu dokumentieren als die Phase zwischen der 12. und 28. Minute in der zweiten Halbzeit: Die Urner liessen keinen einzigen Gegentreffer zu.

 

Dass ein Erfolg aus der Westschweiz nach Hause geschaukelt werden könnte, erschien den „Auguren“ und mitgereisten treuen Fans übrigens schon deshalb kaum realistisch, weil sich die Romands im Hinblick auf den zweiten Teil der Qualifikationsrunde ausländische Spitzenspieler aus Ungarn geangelt und mit ihnen gegen starke NLB-Spitzenvereine bereits höchst achtbare Punktegewinne eingefahren hatten. Doch all das scherte die Urner Akteure einen feuchten Deut. Sie entledigten sich ihrer Aufgabe mit Bravour und einer Kaltschnäuzigkeit, welche den Erfolg im so genannten Vier-Punkte-Spiel schliesslich sicherstellte. Ein Sieg, der mit neun Längen Differenz ausgesprochen überzeugend ausfiel und auf die nächsten schweren Spiele (Schaffhausen, Endingen, Genf) viel Zuversicht keimen liess.

 

Offene Deckung ein Flop

 

Trainer Jan Sedlacek versuchte gegen die vielgerühmten verstärkten Romands, mit einer offenen Deckung erfolgreich zu bleiben. Doch damit liess sich kein Blumentopf gewinnen, wie sich rasch herausstellte. In der Halle von Crissier (einem Vorort von Lausanne) wirbelten die Platzherren die Urschweizer immer wieder gehörig durcheinander, insbesondere nach der fünften Minute, nachdem Peter Szilagyi, Marc Fallegger und Jost Brücker dreimal ins Volle getroffen hatten. Der HCB West zog nicht nur gleich, sondern bis zur 9. Minute auch auf 9:6 davon. Sedlacek ordnete in der Folge eine Umkehr zur bewährten Kompaktabwehr an. Mit Erfolg. Das Blatt wendete sich. Nach 18 Minuten war Peter Szilagyi, an diesem Abend mit acht Treffern (drei davon mittels Penalty) für die Führung seiner Truppe (11:10) besorgt. Die Romands erleichterten den Altdorfern ihre Aufgabe insofern, als sie bis zur Pause dreimal Zeitstrafen kassierten, während der KTV (übrigens während des ganzen Matches) kein einziges 2-Minuten-Verdikt zu verkraften hatte. Die letzten Treffer zur knappen 15:14-Führung markierten für die Gäste Jost Brücker, Peter Szilagyi sowie die Gebrüder Marc und Ivan Fallegger. Etwelchen Anteil an diesem Minivorsprung hatte auch Nicolas Stocker, der den Torsteherposten in der 15. Minute von Marcel Luthiger übernommen hatte und eine hohe Erfolgsquote an gehaltenen Bällen vorweisen konnte.

 

KTV-Abwehr als Bollwerk

Mehrere gegnerische Fehlpässe nützten die Platzherren nach erfolgtem Seitenwechsel rigoros aus, glichen aus und zogen gar in Front. Doch nach dem 16:15 wendeten die Urschweizer das Blatt definitiv. Je zweimal Peter Szilagyi sowie Daniel Röösli, ferner Florian Wisotzki skorten zum 20:16. Auch von einem gegnerischen Timeout liess sich der KTV-Trupp nicht beeindrucken. Die nächste Spielphase wurde durch die höchst kompakt wirkende Abwehr der Altdorfer geprägt. Einen besonders positiven Eindruck lieferte der defensiv starke Tizian Dossenbach ab: Während einer vollen Viertelstunde - echte Rarität in der zweitobersten nationalen Stärkeklasse - wurde dem HBC West kein einziges Törchen mehr zugestanden – die Gastgeber bissen buchstäblich auf Urner Granit. Dafür vergrösserten die Innerschweizer ihren Vorsprung mit sehenswerten Gegenstossaktionen und weiteren Finessen kontinuierlich. Den Schlusspunkt zum 30:21 setzte Martin Betschart. Er wusste sich als effizienter Kreisläufer gleich zweimal zu profilieren. Jan Sedlaceks Kommentar: „Das ganze Team verdient ein grosses Lob. Es hat umgesetzt, was in ihm steckt und was ich vor dem Match forderte. Jetzt ist ganz einfach auch nach vorne für uns wieder alles möglich. Ich bin zuversichtlich, dass wir die getankte Moral in die drei bevorstehenden schweren Spiele mitzunehmen vermögen.“

 

An der Spitze des Zwischenklassementes (ausgetragen wurde an diesem Wochenende nur eine Partie) führt NLA-Absteiger Endingen mit 20 Punkten. Es folgen: 2. Schaffhausen (16), 3. Steffisburg (13), 4. GC/Amicitia (13), 5. Altdorf (13), 6. Yellow Winterthur (12), 7. Stans (12), 8. Chênois Genf (12), 9. Lyss (9), 10. Biel (9), 11. HBC West (9), 12. Grauholz (8).

Altdorf spielte mit: Marcel Luthiger, Nicolas Stocker; Jost Brücker (6), Tizian Dossenbach (1), Flavio Fallegger, Ivan Fallegger (1), Marc Fallegger (4), Martin Betschart (2), Stefan Epp, Daniel Röösli (6), Peter Szilagyi (8), Florian Wisotzki (2), Edi Zakarauskas.

 

ZUM BILD

Martin Betschart war in der Schlussphase gleich zweimal als Kreisflitzer erfolgreich. FOTO: RUEDI AMMANN