Nationalliga B: HC KTV Altdorf – BSV Stans 28:28 (12:13)

 

Florian Wisowski erzielte in der Schlusssekunde den Ausgleich. Beide Teams lagen vorübergehend mit vier respektive drei Längen Vorsprung in Front.

 

Das mit Spannung erwartete Urschweizer Derby endete am Samstagabend – bei einem Saisonzuschauerrekord von 400 Kiebitzen – mit einem alles in allem wohl gerechten Unentschieden. Allerdings verfügten die Stanser in der Schlussphase über die besseren Trümpfe, beide Zähler ins Trockene zu bringen. Das junge Schiedsrichterzweigespann Brunner/Salah hatte die Partie jederzeit im Griff. Es durfte für sich sogar in Anspruch nehmen, eine starke Leistung erbracht zu haben.

 

Die Mini-NLB-Wochenendrunde brachte in der Tabelle keine nennenswerten Verschiebungen, da sich auch die beiden Tabellenletzten, Lyss und der HBC West Crissier, unentschieden trennten. Der HC KTV Altdorf belegt nun dank der besseren Tordifferenz mit 16 Punkten (+21) vor den zählergleichen Grauholz (+16), Yellow Winterthur (+2) und Chênois Genf (-7) den fünften Tabellenplatz vor Biel (15) Stans (14, -15), HBC West (14, -40) sowie Lyss (12, -54) den fünften Tabellenplatz, einen Punkt hinter dem Ranglistenvierten GC/Amicitia. Der HBC West Crissier sowie Lyss haben je eine Partie mehr als die übrige Konkurrenz bestritten, also nur noch vier Einsätze in der Qualifikationsrunde (insgesamt 22 Spiele) vor sich.

 

Die sportliche Geste des BSV

 

Die Stanser traten mit den beiden Ex-Altdorfern Driton Sokolaj und Thomas Mohenski, ebenso wie die Urner weitestgehend komplett an. Die Gastgeber versuchten ihr Heil vorerst mit einer offensiven 5:1-Deckung, damit die Stanser vorübergehend etwas verunsichernd. Die Nidwaldner bewerkstelligten nach 106 Sekunden die Führung, doch Peter Szilagyi glich mittels Penalty aus. Der KTV-Trupp war durch Daniel Röösli wenig später für das 2:1 besorgt. Beidseitig erwiesen sich die Torhüter (bei Altdorf Marcel Luthiger) auf der Höhe ihrer Aufgabe respektive warteten mit sehenswerten Paraden auf. Nach dem 2:3 und 3:3 (Stefan Epp) und einem Penaltypfostenknaller von Röösli stockte den Altdorfer Fans der Atem: Die Schiris präsentierten Luthiger, der einen gegnerischen Konter durch Herauseilen aus dem Torkreis aufs Spielfeld unterbunden und einen Zusammenprall verursacht hatte, reglementskonform die rote Karte. Doch der involvierte Stanser Mario Imsand rekurrierte bei den Spielleitern, die dadurch ihren Rot-Entscheid rückgängig machen. Eine echt sportliche Geste des BSV-Spielers - erst recht in Anbetracht der wichtigen Partie -, die vom Publikum mit viel Applaus quittiert wurde. Nach Ablauf der Auftaktviertelstunde hatte sich der BSV einen Drei-Tore-Vorsprung erarbeitet, den die Nidwaldner nach dem ersten Drittel der Partie gar auf vier Längen (6:10) vergrösserten. Die nächsten fünf Minuten standen ganz im Zeichen der Urner. Sie nutzten ein angefordertes Timeout mit den entsprechenden Anweisungen von Trainer Jan Sedlacek zu ihren Gunsten. Röösli (2), Szilagyi und Epp waren für das 10:10 besorgt. Dabei waren die Besucher noch ausgesprochen gut bedient, hatte Altdorf doch noch drei Pfostenknaller sowie eine versiebte Penaltychance (Szilagyi) zu beklagen. Ausgezeichnet schlug sich der KTV zwischen der 28. und 30. Minute, nachdem sowohl Florian Wisotzki wie Thomas Hürlimann je eine Zeitstrafe (zur phasenweise doppelten Unterzahl führend) aufgebrummt erhalten hatten: Denn nach dem 11:13 war Szilagyi 28 Sekunden vor dem Pausensirenenton für den Anschlusstreffer besorgt. Die Seiten wurden definitiv beim Stande von 10:11 gewechselt. Trainer Jan Sedlacek bezeichnete das Spiel seiner Truppe in den Katakomben als „verkrampft und unkonstant“, nicht ohne die oft verfrühten und ungenauen Torschüsse (15 an der Zahl, wobei deren neun vom gegnerischen Schlussmann pariert worden waren) zu kritisieren und vermehrt Ruhe in die Partie zu bringen fordernd.

 

Drei-Tore-Vorsprung schlecht verwaltet

 

Zu einem weiterhin höchst ausgeglichenen und spannenden Fight gestaltete sich die dritte Viertelstunde der Begegnung. Nach dem 13:15 besorgten die Gebrüder Fallegger den Gleichstand. Röösli donnerte den Ball zum, 16:15, Ivan Fallegger zum 17:15 ins gegnerische Netz. Elf Minuten vor Spielschluss schien das Zünglein an der Waage zugunsten der Urner auszuschlagen, nachdem Szylagyi und Hürlimann das 23:20 verbucht hatten. Sechs Minuten vor Spielschluss brillierte Luthiger mit einem Reflex der Sonderklasse, anderseits hielten Wisotzki und Röösli die Stanser weiterhin auf Distanz. Doch die Partie war noch längst nicht gelaufen. Der BSV nützte einige Nachlässigkeiten der Altdorfer rigoros aus, verkürzte 150 Sekunden vor Time gar auf 27:27. Marc Fallegger erschien darauf allein vor dem gegnerischen Torsteher, ohne indessen zu reüssieren. Es kam noch schlimmer: Die Nidwalder unter dem  Zepter von Andy Gubler trafen 50 Sekunden vor Spielschluss zur Führung ins Volle. Die Niederlage der KTV-Truppe schien damit besiegelt. Doch da war ja noch Wisotzki. Nachdem die Platzherren ihren Torhüter durch einen zusätzlichen Feldspieler ersetzt hatten, traf der vormalige deutsche Bundesligaakteur mit einem verdeckt angesetzten Hüftschuss zum Ausgleich. Zum Wiederanspiel reichte die verbleibende Zeit nicht mehr…

 

„Ein goldener Punkt“, bilanzierte Wisotzki nach Spielschluss, nicht ohne anzumerken, dass sein Team vorgängig den Drei-Tore-Vorsprung ganz einfach nicht mehr aus der Hand hätte geben dürfen. Der Vollständigkeit halber bleibt anzumerken, dass der HC KTV Altdorf während der zweiten halben Stunde nur noch sieben Fehlschüsse auf das BSV-Tor abgegeben hatte und die Stanser Gäste während des ganzen Matches zu nicht weniger als 16 Gegenstossaktionen gekommen waren.

 

Altdorf spielte mit: Marcel Luthiger, Nicolas Stocker; Martin Betschart, Michael Bissig, Jost Brücker, Tizian Dossenbach, Stefan Epp (2), Ivan Fallegger (3), Marc Fallegger (3), Thomas Hürlimann (3), Daniel Röösli (6), Peter Szilagyi (6), Florian Wisotzki (5), Edi Zakarauskas.

 

 

Röösli


Shakehands vor dem Urschweizer Derby, mit den Schiedsrichtern Brunner/Salah, Altdorf-Kapitän Daniel Röösli (links) und Stans-Teamchef Elias Sidler (rechts).

 

 

 

 

 

EppStefan

 

 

Stefan Epp am Drücker.

 

 

 

 

 

 

 

wisoflostans

 

 

Florian Wisotzki, Schütze des 28:28 in letzter Sekunde, zieht ab.

 

 

 

 

 

Fallstans

 

 

Ivan Fallegger im „Anflug“.

 

 

 

 

 

Rööslistans

 

 

Daniel Röösli erzielt einen seiner sechs Treffer.

 

 

 

 

 

 

 

Hürlimannstans

 

Thomas Hürlimann auf dem Weg zum 18:16.

 

 

 

 

 

 

Fallmarcstans

Marc Fallegger wird von der BSV-Deckung penaltyreif gefoult.

 

FOTOS: RUEDI AMMANN