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Ein Schlussphasenspektakel der Sonderklasse
Geschrieben von: Ruedi Ammann   
Samstag, den 08. Oktober 2011 um 22:27 Uhr
Nationalliga B: HC KTV Altdorf – TV Steffisburg 35:32

 

Nach eher penibler erster Halbzeit zeigten die Urner im zweiten Durchgang ihr wahres Gesicht. Einen 5-Tore-Rückstand verwandelten sie in einen Sieg.

 

Dass es gegen die Berner am Samstagabend vor etwas mehr als 200 Zuschauern kein Honigschlecken absetzen würde, war schon vor dem Anpfiff weitgehend klar. Die Gäste, diese Saison erstmals unter dem Zepter von Trainer Thomas Sedioli stehend, liefen mit einem – wie sich zeigen sollte – höchst dynamischen, im Schnitt nur mal gerade 21-jährigen Kader ein. Darunter figurierte auch U21-Nationalspieler Fabian Studer, den sich die Besucher vom NLA-Verein Wacker Thun (Doppellizenz) ausgeliehen hatten.

 

Vier-Tore-Pausenrückstand

Der HC KTV Altdorf begann vielversprechend. Marc Fallegger und Daniel Brack eröffneten das Skore. Doch die ungemein flinken Berner erzielten gleich anschliessend vier Treffer in Serie. Die viel zu behäbig, ja fast etwas überheblich wirkende KTV-Deckung suchte ihr Heil vorerst in einem 6:0-Abwehrsystem. Dieses kam den Steffisburgern höchst gelegen, wie sich rasch zeigen sollte. Zwar vermochten die Urner, immer wieder ungewohnt grosse Abwehrdefizite entwickelnd, bis zum 8:8 mitzuhalten. Doch spätestens nach der 20. Minute (8:8, 9:10, 10:12) neigte sich das Zünglein an der Waage bedenklich auf die Seite der „Mutzen“, in deren Reihen Fabian Studer ein eigentliches Herrenleben zu führen vermochte und den Ball Mal für Mal ins Altdorfer Tor hämmerte. Seltenheitscharakter kam übrigens Altdorfs 14. Minustreffer zu: Ein gegnerischer Akteur hatte, praktisch am eigenen Kreis postiert, einen Prellball erobert und entdeckt, dass Marcel Luthiger kurz aus dem Tor an die Linie geeilt war. Mit einem trockenen, präzisen Distanzwurf fast über das gesamte Spielfeld hinweg traf der Steffisburger ins verlassene KTV-Gehäuse. Altdorf vermochte in der Folge etwas Gegensteuer zu geben, um das Skore bis zur 26. Minute wieder auf eine Länge (16:17, durch Daniel Brack umgesetzter Penalty) zu reduzieren. Doch das einheimische Deckungs-Trauerspiel erhielt wieder Oberwasser, so dass die Platzherren zur Pause mit 17:21 in Schieflage lagen. Dabei war der KTV-Trupp mit diesem Zwischenergebnis gar noch ausgesprochen gut bedient: Ein gegnerischer Bolide sprang nach einem doppelten Pfostentusch wieder ins Feld zurück – Marcel Luthiger rettete mirakulös vor einem allein gegen ihn losstürmenden TVS-Akteur. Alles in allem wirkte die Leistung der Urner bis zu diesem Zeitpunkt höchst bescheiden, die Schussauswertung – mit einem Dutzend verschossener Bälle – oft miserabel, die Angriffe zu sehr Mitte bezogen und gar ideenlos angelegt.

 

Der Gotthardexpress dampfte los

 

Die Auftaktphase zur zweiten Halbzeit liess vorerst wenig Gutes erahnen. Doch in der Folge lief der KTV-Trupp zur grossen Kür auf. Nach dem 17:22, einem von Brack verwerteten Sieben-Meter-Ball und einem durch den zwischenzeitlich ins Tor gekommene Nicolas Stocker abgewehrten Penalty, nahm der Urner Schnellzug immer deutlicher an Fahrt auf. Den Grundstein dazu legten die nun auf 3:2:1 umgestellte Abwehr sowie ein „bissiger“, neu ins Spiel gebrachter Ivan Fallegger. Dieser war es, welcher dem gegnerischen Topskorer immer wieder respektlos den Giftzahn zu ziehen respektive Fabian Studer völlig aus der Partie zu nehmen vermochte. Während voller 9 Minuten wurde Seffisburg kein einziges Erfolgserlebnis mehr gegönnt. Dafür trafen Peter Szilagyi, Daniel Brack, Daniel Röösli, Marc und Ivan Fallegger sowie Sebastian Munzert zum 25:25 ins Volle. Sekunden danach waren Röösli und Brack gar für die 27:25-Führung ihrer Truppe besorgt. Später erhöhten die Platzherren - von zwei gegnerischen Zeitstrafen und weiteren Topparaden der Marke Nicolas Stocker profitierend - auf drei Längen (29:26). Nochmals etwas Unruhe brachte die dritte gegen Peter Szilagyi verhängte Zeitstrafe (Restausschluss) ins KTV-Kollektiv. Doch die nun aus einem Guss agierenden Altdorfer liessen nichts mehr anbrennen, auch wenn die Spielleiter Nasseri-Rad/Schmidt gleich drei überharte Aktionen, gegen Daniel Brack „verübt“, grosszügig ungeahndet liessen. Drei genial herausgespielte Treffer von Ivan und Marc Fallegger sowie Daniel Brack setzten die finalen Glanzpunkte unter eine im letzten Spieldrittel von den Einheimischen richtiggehend zelebrierte Handballektion, die vom Publikum mit einer hoch verdienten „standing ovation“ gewürdigt wurde. Der HC KTV Altdorf hat durch den Erfolg (entgegen einer Teletext-Irrmeldung, die eine 25:32-Niederlage und damit eine falsche Zwischenbilanz in Umlauf brachte…) nun 6 Punkte ergattert und stellt zusammen mit Yellow Winterthur und Biel das NLB-Führungstrio.

 

 

 

Stimmen zum Spiel

 

Coach Predrag Ceko: „Vorerst waren wir im Kopf ganz einfach nicht parat. Auch das zündende Feuer fehlte im ersten Teil der Partie auf unserer Seite. Nach umgestellter Verteidigung spielte unser Kollektiv gross auf und zeigte, was wirklich in ihm steckt.“

 

Torhüter Nicolas Stocker: „Während der ersten 30 Minuten haben wir dem gegnerischen Treiben oft lethargisch zugeschaut und viel zu wenig Gegensteuer gegeben. Danach ging ein Ruck durch unser Kollektiv. Elf erhaltene Tore in einer Halbzeit dürfen sich sehen lassen und stellen unserer gesamten Deckung ein Topzeugnis aus.“

 

Ivan Fallegger, an der Wende im zweiten Spielabschnitt massgeblich beteiligt: „Der in der Pause besprochene Systemwechsel in unserer Spielanlage wirkte sich schnell vorentscheidend aus. Das ganze Team verdient für die gezeigte Reaktion Anerkennung, ist es doch nicht selbstverständlich, nach einem Fünf-Tore-Rückstand nochmals eine passende Antwort bereit zu haben.“

 

 

Altdorf spielte mit: Marcel Luthiger, Nicolas Stocker; Christian Bär, Dave Bär, Martin Betschart, Daniel Brack (11), Jost Brücker (3), Flavio Fallegger, Ivan Fallegger (3), Marc Fallegger (8), Sebastian Munzert (3), Daniel Röösli (4), Peter Szilagyi (3), Dave Zürcher.

 

Munzert2

 

 

 

Sebastian Munzert – von der TVS-Abwehr nicht zu halten.

 

 

 

 

Brückersteff

 

 

Jost Brücker im Höhenflug.

 

 

 



Ovation

 

 

Das Team dankt für die Publikumsovationen. FOTOS: RUEDI AMMANN

 

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