| Trotz fatalem "Zwischentief" zweiter Saisonsieg |
| Geschrieben von: Ruedi Ammann |
| Sonntag, den 07. November 2010 um 11:27 Uhr |
|
NLB: HC KTV Altdorf - TV Steffisburg 34:30
Und sie können es doch: Nach einer spannenden Partie wurden wichtige Punkte eingefahren. Doch Trainer Jan Sedlacek war (noch) nicht rundum zufrieden.
___________________________________________________________________________________ Handballsplitter
Regierungsrätliches Speakertalent. Vor rund 100 Tagen ist Beat Arnold – früher selber aktiver Handballer, auch im Fanionteam – höchst ehrenvoll zum ersten Urner SVP-Regierungsrat gewählt und darauf zum Sicherheitsdirektor nominiert worden. Am Samstagabend war er sich nicht zu schade, anlässlich der wichtigen Partie gleich als Platzspeaker den Match zu kommentieren. Arnold erwies sich auch als Vereinssprecher auf der Höhe seiner Aufgabe.
Dankbares Publikum. Ein Saisonrekord wurde trotz der nicht gerade berauschenden Tabellenlage der ersten Mannschaft verzeichnet (neuester Stand in der kritischen Zone: 8. Steffisburg 6, 9 Stans 5, 10. Altdorf 4, 11. Grauholz 3, 12. HC West Lausanne 1). Das nennt man Teamtreue in Reinkultur. Doch die Zuschauerinnen und Zuschauer geizten auch mit Anerkennung nicht. Zum Schluss der wichtigen Partie verabschiedeten sie das Sedlacek-Kollektiv mit einer wohlverdienten Standing-Ovation. Viel Anklang fand im Feldli der den Match abschliessende traditionelle herbstliche Pouletschmaus, „garniert“ durch von der Feinbäckerei Hauger gespendete köstliche Desserts.
Mahnende Worte. Trainer Jan Sedlacek freute sich natürlich über den Erfolg seiner Truppe. Doch nach der Partie liess er in der Kabine auch mahnende Worte an seine Schützlinge nicht fehlen. „Unsere vorübergehende spielerische Disziplinlosigkeit hätte uns noch fast um die Früchte der Arbeit geprellt. Das kann nicht sein und würde gegen weitere Gegner mit Sicherheit ins Auge gehen. Wir dürfen nicht nur während 40 Minuten mit einer Topleistung aufwarten, sondern das Repertoire während einer vollen Stunde durchziehen. Es gilt, unser Potenzial während der ganzen Spielzeit abzurufen und keinerlei „chaotische“ Einbrüche zu produzieren“, erklärte Sedlacek mit eindringlichen Worten.
Epp reaktiviert. Besondere Sorgen bereiten dem KTV-Trainer zurzeit Leistungsprobleme mit Torhütern wie Kreisläufern, zumal auf der letztgenannten Position Gregor Bär weiterhin für längere Zeit verletzungsbedingt ausfällt. Da erinnerte sich der „Medizinmann“ des quirligen Kreisflitzers Stefan Epp, welcher vor einiger Zeit eigentlich vom aktiven Handballsport zurückgetreten war. Auf Anfrage erklärte sich Epp nun bereit, vorübergehend nochmals in die Hosen zu steigen. Und er tat dies gegen Steffisburg mit Erfolg. Sein Einsatz brachte am gegnerischen Kreis viel Effizienz. Und auch ein Treffer Epps rundete das Comeback positiv ab. ___________________________________________________________________________________
Dass der Leader-Bezwinger TV Steffisburg mit dem festen Vorsatz zu siegen ins Urnerland gekommen war, blieb schnell ersichtlich. Die Berner entwickelten nämlich sofort ungemein viel Druck. Sie profitierten davon, dass Marcel Luthiger im KTV-Tor nicht seinen besten Tag erwischt hatte, dabei von seinen Vorderleuten aber auch immer wieder schmählich im Stich gelassen worden war. Zwar schossen je zweimal Daniel Röösli wie Marc Fallegger ihre Farben bis zur 8. Spielminute mit je zwei Treffern in Front (4:2), doch glichen die quirligen Gäste wieder aus. Nachdem sich Steffisburgs Coach nach wiederholtem Meckern eine Zeitstrafe eingehandelt hatte und diese ein TVS-Akteur ausbaden musste, nutzte der KTV-Trupp das Powerplay zur erneuten Führung (9:7). Nicolas Stocker, ab der 16. Minute den Posten Luthigers übernehmend, parierte ein gegnerisches Penaltygeschoss in dieser Phase souverän. Er sicherte sich übrigens auch während der folgenden Matchzeit immer wieder durch sehenswerte Einsätze, unter anderem mit einem weiteren abgewehrten Sieben-Meter-Wurf, Applaus auf offener Szene. Im Anschluss an das 9:9 respektive 13:13 setzten die Altdorfer die Akzente, zumal sich (auch) der wiedergenesene Peter Szilagyi immer wieder höchst positiv in Szene zu setzen vermochte, Daniel Röösli weiterhin auf der linken Flügelposition beeindruckte, Florian Wisotzki seiner Reputation als Liga-Topskorer (9 Treffer sowie effizienter Penaltyschütze) gerecht wurde und Marc Fallegger als Wirbelwind und bestens gelaunter „Hammermann“ aufzutreten verstand. Röösli (zweimal), der wieder genesene Thomas Hürlimann sowie Wisotzki katapultierten die Platzherren während der letzten fünf Minuten vor der Pause mit einem vielversprechenden 18:14 in Front.
Zitterphase nach Acht-Tore-Vorsprung
Jan Sedlacek ermahnte seine Leute während der Pause, mehr Engagement in der Deckung zu entwickeln und das Tempo weiterhin hochzuhalten. Das KTV-Team setzte nach Wiederaufnahme der Partie prompt die Akzente. Nach eindrücklichem Pressing und einem sensationellen Zwei-Flügel-Pass (Jost Brücker – Röösli) lautete das Skore nach 35 Spielminuten 22:17, nach 40 Minuten sogar 27:19 (Penaltynachschuss von Wisotzki). Altdorf schien einem sicheren Erfolg, ja gar Kantersieg entgegenzueilen. Doch da war eben noch der vorübergehende „Einbruch“ zwischen der 45. und 54. Minute. Plötzlich und aus unerfindlichen Gründen zeigten die Urner Nerven, wirkten in ihrer Spielanlage teilweise geradezu „chaotisch“ und mussten die nun Morgenwind witternden Steffisburger auf 32:29 verkürzen lassen. Glücklicherweise war da noch der Ruhe bewahrende und zwei sehenswerte Treffer markierende Marc Fallegger. Er stellte mit wuchtigen Knallern aus dem Rückraum das Skore auf 34:29, damit das Signal für sein Team definitiv auf Grün stellend. Bemerkenswert war schliesslich ein durch Marcel Luthiger in der Schlussphase abgewerter Steffisburger Penalty.
Florian Wisotzkis Matchkommentar: „Wir sind jetzt natürlich sehr erleichtert, dass es endlich wieder zu einem Sieg gereicht hat. Noch lief allerdings nicht gerade alles nach unseren Vorstellungen. Insbesondere in der Abwehr, dann aber auch bezüglich Chancenauswertung liegt noch eine erhebliche Leistungspotenzialsteigerung drin.“ Wisotzki, vormaliger Akteur in der deutschen Bundeliga bei Dormagen, ist übrigens seit kurzem tageweise in der Physiotherapie-Praxis von Koen Haelters (Steinmattstrasse 1, Altdorf) als ausgewiesener und kompetenter Fachmann tätig.
Altdorf spielte mit: Marcel Luthiger, Nicolas Stocker; Christian Bär, Martin Betschart, Michael Bissig, Jost Brücker (1), Tizian Dossenbach, Stefan Epp (1), Ivan Fallegger, Marc Fallegger (8), Thomas Hürlimann (2), Daniel Röösli (7), Peter Szilagyi (6), Florian Wisotzki (9).
Der reaktivierte Stefan Epp als Skorer in Aktion.
Keine zu klein Fan und Helferin (Platzwischerin) zu sein.
Ref Beat Nagel gratuliert Neo-Regierungsrat Beat Arnold zur ehrenvollen Wahl.
Jost Brücker überlistet Steffisburgs Schlussmann. FOTOS: RUEDI AMMANN |



