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Freitag, 08 März 2013 10:34

Interview mit Kreisläufer Martin Betschart

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In der nächsten Runde empfängt ihr den Tabellenvorletzten Horgen. Alles andere als ein Sieg wäre eine Enttäuschung. Siehst du das auch so?
Martin Betschart: Ja klar. Wenn wir unsere Position verteidigen wollen, müssen wir gewinnen. Es ist zwar noch ein Polster vorhanden. Dieses möchten wir aber möglichst nicht anbrauchen.

Welchen Eindruck hattest du im Hinspiel von Horgen? Dieses Match konntet ihr ja deutlich für euch entscheiden.
Diese Mannschaft ist normalerweise sicher nicht auf unserem Leistungsniveau. Das geht nur schon aus der Tabelle hervor. Allerdings gilt es zu bedenken, dass die Zürcher seit unserer ersten Begegnung einige neue Spieler verpflichtet haben. Zuletzt konnten sie mit überraschenden Resultaten aufwarten. Sie besiegten Chenois und die Kadetten Schaffhausen.

Man darf diesen Gegner also nicht auf die leichte Schulter nehmen – kein Kanonenfutter?
Das darf man sowieso nie. Für uns ist wichtig, dass wir unser ganzes Leistungspotenzial abrufen. Wenn uns dies gelingt, können wir jeden Gegner schlagen. Man sollte einen Konkurrenten grundsätzlich nie unterschätzen. Das wäre sehr gefährlich. Für uns stellt ein solches Szenario in den verbleibenden Partien sicherlich das grösste Risiko dar.

In den letzten Spielen hat Altdorf mehrfach einen grossen Vorsprung verspielt. Wie konnte so etwas passieren?
Dafür gibt es wohl mehrere Gründe. Wir haben zu wenig intelligent gespielt und in diesen Phasen zu früh den Abschluss gesucht, ohne richtige Vorbereitung. Zudem gab es zu viele Einzelaktionen. Unsere eigentliche Stärke ist aber das Kollektiv. Vielleicht hatte der eine oder andere auch etwas zu lange Einsatzzeiten. Dadurch war es für die Betreffenden schwierig, ihr eigentliches Können in die Waagschale zu werfen, weil schlicht der Schnauf dazu fehlte.

Mit einem Sieg gegen Horgen würde der Vorsprung auf vier Punkte anwachsen. Ein ansehnliches Polster für das Restprogramm?
Das sehe ich etwas anders. Mit zwei Niederlagen wäre der Vorsprung bereits wieder weg. Sechs und mehr Punkte wären ein komfortables Polster. Die Saison ist noch lang und wir können uns erst sicher sein, wenn wir theoretisch nicht mehr von der Spitze zu verdrängen sind.

Immerhin habt ihr aber in der Rückrunde bereits gegen die stärksten Mannschaften gespielt.
Das stimmt nur bedingt. Wir haben noch mindestens vier ganz schwere Spiele vor uns. Unter anderem müssen wir noch auswärts gegen die Kadetten antreten. Aus Schaffhausen sind wir bisher noch nie mit Punkten zurückgekehrt.

Du bist vor fünf Jahren vom KTV Muotathal zum KTV Altdorf gestossen. Offensichtlich fühlst du doch wohl bei den Urnern?
Mir gefällt es sehr gut bei diesem Verein. Der Teamgeist stimmt und die Stimmung ist gut. Ich hoffe, dass wir die Saison weiterhin so erfolgreich gestalten und unsere Ungeschlagenheit wahren können. Für mich würde mit dem Aufstieg in die Nationalliga A ein Jugendtraum in Erfüllung gehen. Im Oberhaus zu spielen wäre natürlich eine neue Herausforderung. Zudem ein Ansporn, die Trainingsstrapazen in meinem für Handballverhältnisse relativ hohen Alter weiterhin auf mich zu nehmen.

Mit bald 33 Jahren gehörst du zu den Oldies im Team. Noch keine Rücktrittsgedanken?
So lange ich den Jüngeren konditionell und kraftmässig Paroli bieten kann, sehe ich keinen Grund aufzuhören. Mir macht das Handballspielen noch immer grossen Spass. In dieser Saison bin ich mit meinen eigenen Leistungen allerdings nicht ganz zufrieden. Ich hatte relativ wenige Einsätze. Dadurch fehlt mir ein wenig die nötige Spielpraxis. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Partien Gelegenheit bekomme, dieses Manko durch vermehrte Einsätze auszubügeln.

Könntest du dir später eine Karriere als Handballtrainer vorstellen?
Momentan bin ich daran, das B-Diplom als Handballtrainer zu erwerben. Im Juni sind die Prüfungen. Wenn ich sie bestehe, könnte ich Mannschaften bis zur Nationalliga-B-Stufe trainieren. Ob ich irgendwo als Trainer oder Spielertrainer beginne, wird sich dann zeigen. Zunächst müsste ich ein entsprechendes Angebot erhalten. Auf jeden Fall müsste es ein ambitioniertes Team sein, das etwas erreichen will. Sonst wäre ich wahrscheinlich der falsche Trainer. Aber vorläufig konzentriere ich mich noch auf meine Karriere als Spieler.

Du hast seit jeher als Kreisläufer gespielt. Was fasziniert dich an diesem harten Job, in dem man viel einstecken muss?
Diese Position ist eine grosse Herausforderung. Man braucht Durchsetzungsvermögen. Zudem muss man Geduld haben und auf seine Chance warten. Als Kreisläufer erhält man in der Regel nicht allzu viele Bälle. Die Kunst besteht darin, die wenigen Möglichkeiten möglichst effizient zu nutzen.

Gelesen 1856 mal Letzte Änderung am Sonntag, 10 März 2013 17:49