Sonntag, 15 September 2013 11:19

Zürcher Overdogs die Hölle heiss gemacht

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Nationalliga A: HC KTV Altdorf – GC/Amicitia Zürich 28:28

Daniel Röösli (2 Treffer) düpiert Zürcher Torsteher; im Hintergrund (Nr. 8) Lutz Wesseling, der sieben Tore markierte. FOTO: RUEDI AMMANN   Urner holten verdientermassen den ersten Punkt NLA-Punkt ab. Mehr wäre möglich gewesen – drei Penaltychancen wurden versiebt.

Die Voraussetzungen im Hinblick auf den dritten Einsatz waren klar: Kaum jemand wettete zugunsten einer Gastgeberchance. Denn die Crew aus der Limmatstadt hatte im Hinblick auf das neue Championat personell mächtig aufgerüstet. Davon legt  allein schon das Teambudget (820 000 Franken!) beredtes Zeugnis ab. Zu guter Letzt hatte sich die Formation des vormaligen Schweizer Nationalcoaches Arno Ehret gar noch die Dienste des kroatischen Hünen (und Nationalspielers) Goran Bogunovic (von Gestalt 1,98 m gross und 106 kg auf die Waage bringend) gesichert. GC/Amicitia hatte seine letzte Partie gegen St. Otmar St. Gallen drei Tage zuvor allerdings mit einem winzigen Tor Unterschied verloren, wobei der Ex-Altdorfer Jost Brücker mit sieben Treffern massgeblich am Erfolg der Ostschweizer beteiligt gewesen war.

Blitzstart der Favoriten

500 Kiebitze, mehrheitlich Fans der einheimischen Aufsteigertruppe, hatten sich am Samstagabend in der Feldli-Arena eingefunden, um ihr Team phonstark anzufeuern. Die Zürcher zauberten gleich einen Bilderbuchstart aufs Parkett. Nach weniger als 5 Minuten lagen sie gegen die vorerst etwas deroutiert respektiv noch nicht richtig wach wirkende KTV-Deckung 4:1 voraus – Philipp Reuter hatte bis zu diesem Zeitpunkt den ersten Treffer der Platzherren markiert. Nach der Auftaktviertelstunde lagen die Platzherren gar mit vier Längen zurück (8:12), trotzdem sie im Angriff immer wieder mit sehenswertem Tempospiel und wirbligen Kombinationen aufwarteten. Zwischen der 20. und 24. Minute rieben sich die Zuschauer recht eigentlich die Augen, da der KTV mit einem genialen Zwischenspurt der besonderen Art aufwartete. Ivan Fallegger, Lutz Wesseling, Philipp Reuter und Christoph Piske punkteten die gegnerischen Abwehrhünen Mal für Mal aus – Tizian Dossenbach schoss seine Farben gar erstmals in dieser Partie in Front (15:14). Eine Zeitstrafe, gegen Samuel Stadelmann verhängt, überstanden die Einheimischen, primär dank einer Topparade von Marcel Luthiger, schadlos. Dem später folgenden Gleichstand setzten Christoph Piske und Samuel Stadelmann - Letzterer mit einem eigentlichen Lucky Punch vom linken Flügel und schier unmöglich scheinendem Winkel aus erzielt – zwei weitere Bälle ins gegnerische Netz. Die 17:16-Halbzeitführung der Urner war damit Tatsache geworden, zumal Marcel Luthiger mit einem weiteren Geniestreich seine Aufwartung zu machen verstand.

Samuel Stadelmann lässt Gästeabwehr in die Röhre gucken. FOTO: RUEDI AMMANNDrei-Tore-Vorsprung nach 37 Minuten

Der HC KTV Altdorf nahm den zweiten Spielabschnitt höchst vielversprechend in Angriff. Nachdem Ivan Fallegger allein vor dem gegnerischen Torsteher scheiterte und Philipp Reuter eine Penaltychance unverwertet gelassen hatte, skorten innerhalb weniger Minuten Philipp Reuter, Lutz Wesseling, Christoph Piske und Daniel Röösli: 21:18 für die Platzherren. Einen weiteren Röösli-Treffer aberkannten die Spielleiter. Eine Viertelstunde vor Spielschluss hatten die Zürcher nicht nur den Gleichstand, sondern auch wieder die Führung realisiert (23:22). 5 Minuten später lautete das Skore 26:26, im Anschluss an einen weiteren Sieben-Meter-Misserfolg Reuters gar 27:26 für GC/Amicitia. Nach 56 Spielminuten wartete Wesseling mit einem sehenswerten Doppelschlag auf (28:27) – der Absturz der Zürcher Favoriten zeichnete sich am Horizont ab. Arno Ehret orderte zu diesem Zeitpunkt ein letztes Timeout. Unmittelbar danach hatte Sebastian Munzert den „Vor-Matchball“ in der Hand. Doch auch er brachte einen Sieben-Meter-Wurf nicht ins Ziel. Ein umstrittener Penaltyentscheid zugunsten der Gäste führte 88 Sekunden vor Spielschluss zum 28:28. Daran änderte sich schliesslich nichts mehr, da der Torsteher der Besucher, Aurel Bringolf, einem Boliden der Marke Lutz Wesseling den Zahn zu ziehen verstand.

Fazit: Dank sehenswerter Leistung der Urner höchst verdienter und erster NLA-Punktegewinn - sehr zur Genugtuung von KTV-Spielertrainer Burkhard Keller, der seiner Truppe einen Topeinsatz attestierte. „Wir haben nicht nur 1 Punkt erobert, sondern von den Gegnern für unsere Leistung auch viel Respekt gezollt erhalten“, freute sich Sebastian Munzert. Und Daniel Röösli: „Wir wussten uns sehr gut zu verkaufen, haben anderseits aber doch immer noch zu viele Einzelfehler verzeichnet. Sie verhinderten es, einen Vollerfolg zu landen.“ „Der gewonnene Punkt war hoch verdient“ bilanzierte schliesslich auch Lutz Wesseling, der an diesem denkwürdigen Abend erfolgreichster Skorer (7), vor Spielmacher Philipp Reuter (6) und Christoph Piske (5) war. Hundertprozentige Wurf-Erfolgsquoten liessen sich seitens der Gastgeber Samuel Stadelmann und Tizian Dossenbach notieren, auf je 66 Prozent brachten es Sebastian Munzert, Ivan Fallegger und Daniel Röösli.

Es geht Schlag auf Schlag

Der BSV Muri/Bern sah sich am Samstag gegen Wacker Thun auf die Verliererstrasse gedrängt (21:25), nachdem am Vorabend Kriens gegen Stäfa das bessere Ende klar für sich behalten hatte (33:25). Die nächsten Spiele werden am Mittwoch (Pfadi Winterthur gegen die Schaffhauser Kadetten) und Donnerstag (St. Otmar St. Gallen gegen Fortitudo Gossau) angepfiffen. Am kommenden Samstag figurieren sechs Spiele auf dem NLA-Terminkalender – Altdorf tritt auswärts gegen Stäfa an.

Altdorf spielte mit: Marcel Luthiger, Nicolas Stocker; Sebastian Munzert (2), Lukas Huwiler, David Zürcher, Lutz Wesseling (7), Ivan Fallegger (4), Samuel Stadelmann (1), Thomas Mohenski, Tizian Dossenbach (1), Philipp Reuter (6), Daniel Röösli (2), Christoph Piske (5). – Spielleiter: Brunner/Salah. – Beste Skorer bei GC/Amicitia: Roman Sidorovic (6), Iwan Ursic und Goran Bogunovic (je 5).

 

 

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