Sonntag, 29 September 2013 19:43

Dreiviertel Stunden dem Leader Paroli geboten

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 Nationalliga A: HC KTV Altdorf – Pfadi Winterthur 25:32 (15:14)

Altdorf zündete zwischen 21. und 27. Minute ein Feuerwerk. Das Zünglein an der Waage neigte sich erst in den letzten 15 Minuten zugunsten der hochkarätigen Leadertruppe.

Christoph Piske – öfters nicht zu halten. FOTO: RUEDI AMMANN570 Kiebitze waren am Sonntagabend in die Feldliarena gepilgert, um den Fight zwischen dem Tabellenführer und -letzten vor Ort zu verfolgen. Sie hatten ihr Erscheinen nicht zu bereuen. Es entwickelte sich ein toller Match, voller handballerischer Glanzlichter. Pfadi Winterthur hatte auf drei Kaderspieler zu verzichten, was aber bei dessen grossem Reservoir an Spitzenakteuren nicht gross zu Buche schlug. Beim HC KTV Altdorf fehlten primär Marcel Luthiger (Aduktorenprobleme), Lukas Huwiler (mehrwöchiger Kanadaaufenthalt), Kevin Ledermann (Muskelfaserriss) und Marc Fallegger (verletzt), der jedoch das Training wieder aufgenommen hat und am übernächsten Match wieder mittun dürfte. Das Augenmerk der Zuschauer richtete sich natürlich speziell auf den Winterthurer NLA-Torschützenleader Marcel Hess - er traf in Altdorf prompt zehnmal ins Volle traf, und im Altdorfer Lager auf Spielmacher Philipp Reuter. Letzterer kommt immer besser in Fahrt, um gegen die Pfader gleich neun sehenswerte Treffer zu markieren. Auf Seite der KTV-Truppe beeindruckte nebst anderen Nicolas Stocker im Tor, mit einem Dutzend starker Paraden, auf Seite der Zürcher Gäste Schlussmann Simon Kindle. Der 2.01 Meter grosse Keeper liess sich eine stolze 41-prozentige Quote (!) gehaltener Bälle notieren.

6:6 nach Startviertelstunde

Philipp Reuter, Topskorer mit 9 Treffern. FOTO: RUEDI AMMANNDie Gastgeber wussten das frühzeitige 4:1 zugunsten der einen Superstart aufs Parkett legenden Winterthur überraschend gut wegzustecken, nachdem Daniel Röösli den ersten Treffer der KTV-Truppe markiert hatte. Im Anschluss an das 6:6 warteten die Tabellenleader mit einer sehenswerten Triplette auf, um danach bis zur 20. Minute auf 12:7 zu erhöhen. Altdorfs verschworene Einheit war aber mit der Rolle als Kanonenfutter gar nicht einverstanden. Ganz im Gegenteil: In der Folge rollte Angriff um Angriff auf das Zürcher Bollwerk. Es sah sich gleich fünfmal en suite aus den Angeln gehoben (Sebastian Munzert sowie Philipp Reuter skorten je zweimal, Daniel Röösli traf einmal). Mächtig angefeuert durch das begeisterte Heimpublikum liessen sich die Altdorfer zu weiteren Höhenflügen animieren. Thomas Mohenski zauberte den Ball 25 Sekunden vor dem Pausensignal gar zur 15:14-Führung ins gegnerische Gehäuse, nachdem Nicolas Stocker mit einer mirakulösen Parade die Gästeführung verhindert hatte. KTV-Vereinspräsident Stefan Arnold bei Halbzeit: „Toll, was unsere Truppe mit ihrer Tempobolzerei nach dem 5-Tore-Rückstand zeigte, und Christoph Piske es für „richtig gut“ eingestuft hatte, was seinem Team bis zu diesem Zeitpunkt gelungen war. Heinz Gisler, seinerzeitiger Co-Leader der KTV-Truppe, zollte der  Moral der Platzherren seine vorbehaltlose Anerkennung.

Gar eine 3-Tore-Führung

Thomas Mohenski lässt Pfadi-Deckung alt aussehen. FOTO: RUEDI AMMANN   Die Zuschauer trauten ihren Augen kaum, als die Urner nach erfolgtem Seitenwechsel weiterhin respektlos vom Leder zogen. Reuter mit einem Hattrick sowie Lutz Wesseling hatten für ihre Mannschaft bis zur 35. Minute eine sehenswerte 3-Tore-Führung realisiert. Pechvogel war in dieser Phase Daniel Röösli (ein Lattenknaller, ferner einen übers Tor gedonnerter Penaltyball). Nachdem die Winterthurer ihre Deckung umorganisiert hatten (6:0), lief in ihren Reihen vieles praktisch „leaderkonform“. Mit genialen Ballstafetten und wirbligen Aktionen gaben sie in der letzten Viertelstunde den Ton an. Im Lager der Altdorfer fehlten zusehends Kraft, Konzentration und Durchsetzungsvermögen. Pfadi Winterthur erhöhte das Skore bis zur 56. Minute auf sechs Längen (29:23) – die Partie war damit definitiv gelaufen, auch wenn Reuter und Piske mit sehenswerten Treffern nochmals etwas Gegensteuer zu geben vermochten, die Favoriten jedoch letztlich mit sieben Toren Differenz das bessere Ende verdientermassen für sich behielten. Ungeachtet dieses Unterschieds zollte das Heimpublikum seinem Team als Lohn für dessen sehenswerte Leistung eine wohlverdiente Ovation.

Stimmen zum Spiel

Trainer/Coach Burkhard Keller: „Ich sah eine gute Vorstellung meiner Mannschaft. Sie versteckte sich nie hinter den technisch beeindruckend beschlagenen und agierenden Zürchern.“

Sebastian Munzert (zweifacher) und Philipp Reuter (neunfacher Skorer) unisono: „Wir lieferten weitgehend eine sehenswerte Leistung ab. Die Niederlage fiel aus unserer Optik wohl mit zwei bis drei Toren zu deutlich aus. Grossartig setzte sich in seinem Kollektiv NLA-Torschützenleader (bisher 58 Treffer nach fünf Einsätzen) Marcel Hess durch.“

Edi Wickli, der nationale „Frühpensionär“ (Anmerkung „Google“) und vielfache frühere Nationalspieler, zurzeit zusammen mit Trainer Adrian Brüngger an der Spitze von Pfadi Winterthur die wichtigsten Fäden ziehend: „Der HC KTV Altdorf kämpfte mit viel Herzblut, dadurch bezeugend, dass seine NLA-Promotion nicht von ungefähr gekommen ist. Als dann in unseren Reihen beim Stande von 16:19 die Alarmglocken schrillten, vermochten wir das Revirement herbeizuführen. Ich bin überzeugt, dass die Urner durchaus das Zeug dazu haben, in der obersten nationalen Liga ihr (bisher) noch bescheidenes Zählerkonto zu äufnen.“

Altdorf spielte mit: Nicolas Stocker, Sebastian Aschwanden; Fabian Auf der Maur, Christian Bär, Ivan Fallegger, Thomas Mohenski (2), Sebastian Munzert (2), Christoph Piske (4), Philipp Reuter (9), Daniel Röösli (4), Samuel Stadelmann, Lutz Wesseling (4), Dave Zürcher.

Zwischenbilanz

Nach den weiteren Wochenendfights (Bern/Muri – GC/Amicitia 27:27, Gossau – Schaffhausen 27:36, Otmar St. Gallen – Stäfa 34:25) präsentiert sich die NLA-Tabellenspitze wie folgt: 1. Pfadi Winterthur 5/10, 2. Schaffhausen 5/8, 3. Kriens 4/7. Das Tabellenende: 10. Altdorf 5/1, 9. Bern/Muri 5/3, davor liegen Wacker Thun (ein Spiel weniger ausgetragen), Stäfa, Gossau, GC/Amicitia Zürich sowie St. Otmar St. Gallen mit je 5/4 Punkten. – Der HC KTV Altdorf tritt am kommenden Samstag, 5. Oktober, erneut in der Feldliarena an, und zwar gegen Bern/Muri (18 Uhr).

 

Gelesen 1942 mal Letzte Änderung am Sonntag, 29 September 2013 22:36