Donnerstag, 24 Oktober 2013 12:01

Am Ast des Schweizermeisters wurde wacker gesägt

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Nationalliga A: HC KTV Altdorf – Wacker Thun 28:31

Urner warteten während der ersten Halbzeit mit einem Feuerwerk gegen die Favoriten auf. Schliesslich musste ein in Griffnähe liegender Punktegewinn doch noch ans Bein gestrichen werden.

Aufmerksame Verfolger der attraktiven Partie: links Teamarzt Gianmarco Sala, rechts der verletzte Thomas Mohenski. FOTO: RUEDI AMMANN   Trotzdem der Aufsteiger zurzeit am Tabellenende der zehn besten nationalen Teams herumdümpelt – oder gerade deswegen? – waren am Mittwochabend 850 Zuschauer (neuer Saisonrekord) in der Feldliarena erschienen, um den Fight der Urner gegen den Schweizermeister und Cup-Sieger der letzten Saison – mit dem Ex-Altdorfer und Nationalmannschaftsneuling Lukas von Deschwanden in seinen Reihen – hautnah mitzuerleben. Sie hatten ihr Erscheinen nicht zu bereuen. Es entwickelte sich ein auf beeindruckendem Niveau stehendes Kräftemessen. Erst in der Schlussphase – 7 Minuten vor dem letzten Sirenenton stand das Zwischenresultat auf pari (25:25), 2 Minuten davor hatte es gar noch 25:24 zugunsten der Gastgeber gelautet – liessen  Kraft und Konzentration der Innerschweizer etwas nach, was die Besucher nach einem Griff in die Trickkiste (Spielsystemumstellung) rigoros zu ihren Gunsten ausnützen.

Fünf-Tore-Führung nach 15 Minuten

Altdorfs Kollektiv zeigte vor dem hochkarätigen Team der Thuner – unter dem Coaching des fast 250-fachen-Ex-Internationalen Martin Rubin – vorerst kaum  Respekt. Lutz Wesseling (zweimal) sowie Daniel Röösli schossen ihre Farben mit 3:1 in Front. Wenig später starteten die Gastgeber zu einem veritablen Schaulaufen. Nach Treffern von Christoph Piske, Ivan Fallegger (2), Daniel Röösli (2), Lutz Wesseling und Philipp Reuter führte der HC KTV Altdorf in der 15. Minute 10:5 – die sich immer wieder phonstark in Szene setzenden einheimische Fans gerieten darob (zu Recht) ins Schwärmen. Zumal Torsteher Srdjan Djordjevic noch einen Penaltyball nach genialer Parade unschädlich gemacht hatte. Eine Phase doppelter Überzahl, Christoph Piske war zu diesem Zeitpunkt gar  sanktionslos (!) rüde zur Strecke gebracht worden, nützte der KTV nach dem 13:9 ungenügend aus. Vorgängig hatten die Spielleiter gar noch ein klares gegnerisches Stürmerfoul am Kreis der Gastgeber grosszügig übersehen und einen daraus resultierenden Treffer validiert. Immerhin lautete das Skore bis zur Pause weiterhin relativ klar zugunsten der Einheimischen (15:11, 16:12, 17:14).

Erfolgreichster Skorer im KTV-Team: Lutz Wesseling (9 Treffer) – hier versucht er sich mit einem Gewaltsschuss über die Thuner Deckung hinweg. FOTO: RUEDI AMMANN   Partie lange auf Messers Schneide

Thun schraubte am Vorsprung des HC KTV Altdorf (in Überzahl, siehe Kasten), direkt nach Wiederaufnahme der Begegnung, erfolgreich herum (17:17 nach knapp drei Minuten). Nach dem später zustande gekommenen 23:22 (Samuel Stadelmann, 45. Minute) hatten es die Urner nochmals in der Hand, wieder klarer in Front zu ziehen. Doch sowohl Daniel Röösli (allein vor dem Berner Tor auftauchend) wie auch Philipp Reuter (Penalty) liessen die entsprechenden Chancen fatalerweise ungenutzt. Dem 25:23 setzten die Gäste den Gleichstand entgegen, dabei gleich mehrmals von der Schlitzohrigkeit ihres rechten Flügels, der die KTV-Abwehr immer wieder respektlos versetzte, Profit schlagend. Ivan Fallegger reüssierte schliesslich beim Stande von 26:30 innerhalb einer knappen Minute gleich zweimal, doch war der Berner Express zu diesem Zeitpunkt (anderthalb Minuten vor Spielschluss) bereits definitiv auf die Zielgerade eingebogen.

Vor dem Match: die beiden Teamchefs Reto Friedli (Thun, links) und Sebastian Munzert (Altdorf, rechts), in der Mitte der Ex-Altdorfer Lukas von Deschwanden, mit den beiden Spielleitern Marco Brianza und Beat Jucker (Zweiter von rechts). FOTO: RUEDI AMMANNFakten und Stimmen

Lutz Wesseling (Altdorf) war am Mittwochabend genau so wie Franic Borna auf der Gegenseite bester Skorer seiner Formation (je 9 Treffer), wobei der Thuner mit sechs von sieben Penaltywürfen erfolgreich blieb. Die besten Abschlussquoten durften sich bei den Gastgebern Samuel Stadelmann (100 Prozent), vor Daniel Röösli (83), Ivan Fallegger (80), Sebastian Munzert (75) und Lutz Wesseling (56) attestieren lassen.

Zwei weitere NLA-Resultate vom Mittwochabend: Kriens-Luzern – Kadetten Schaffhausen 26:26, Gossau – Pfadi Winterthur 29:36. Die Lage am NLA-Tabellenende: Bern/Muri, GC/Amicitia Zürich, Otmar St. Gallen und Gossau, alle 6 Punkte, Stäfa 4, Altdorf 2. – Der HC KTV Altdorf spielt am Samstag, 26. Oktober (17.30 Uhr), auswärts gegen Gossau; Extrafahrt für Fans (Feldli ab: 15 Uhr).

Ivan Fallegger, Realisator der beiden letzten Altdorfer Treffer. FOTO: RUEDI AMMANN   Stimmen zum Spiel: KTV-Teammanager Markus Brand: „Eine tolle kämpferische Leistung unsererseits, aber der Ausraster Piskes, direkt nach erfolgtem Pausensignal,  hätte einfach nicht passieren dürfen.“ Topskorer Lutz Wesseling: „Kleine individuelle Fehler brachen uns das Genick. Gar nicht klar kamen wir mit der gegnerischen Systemumstellung (4:2) in der Schlussphase.“ Thun-Coach Martin Rubin: „Aus unserer Optik eine Zangengeburt gegen die wie erwartet keinesfalls inferioren Urner. Wir fanden gegen die aufsässigen, gut disponierten Gastgeber (zu) lange kein valables Rezept. Aber schliesslich zählen ganz einfach die eroberten Punkte.“

Altdorf spielte mit: Srdjan Djordjevic, Nicolas Stocker, Sebastian Munzert (3), Dave Zürcher, Christian Bär, Lutz Wesseling (9), Ivan Fallegger (4), Marc Fallegger, Samuel Stadelmann (1), Fabian Auf der Maur, Tizian Dossenbach, Philipp Reuter (4), Daniel Röösli (5), Christoph Piske (2). – Der Ex-Altdorfer in den Reihen von Wacker Thun, Lukas von Deschwanden, erzielte drei Treffer.

Der Tritt gegen die Pet-Wasserflasche

Grosses Rätselraten  auf den Publikumsrängen in der 30. Spielminute – nach dem Ertönen der Halbzeitsirene. Plötzlich erschien auf dem elektronischen Anzeigendisplay an der Hallenwand nämlich eine 2-Minuten Zeitstrafe, gegen den HC KTV Altdorf verhängt. Was wohl geschehen war? Wie sich herausstellte, hatten die Schiris Marco Brianza und Beat Jucker (im Verlaufe des ganzen Spieles gegen Altdorf 7, gegen Thun nur mal gerade 2 Sieben-Meter-Würfe verhängend und damit alles andere als Heimschiri-Tendenzen erkennen lassend…) zu diesem Zeitpunkt offenbar nichts Aussergewöhnliches festgestellt. Ganz anders der SHV-Inspizient Felix Rätz (selber vormals langjähriger international tätiger Schiedsrichter). Er hatte vom Zeitnehmertisch aus bemerkt, wie Christoph Piske nach dem (erfolglosen), direkt auszuführenden Freiwurf seitens Lutz Wesseling, nach dem Ertönen der Halbzeitsirene (!) noch reglementskonform ausgeführt, eine Pet-Wasserflasche mit kräftigem Tritt vom Parkett weggekickt hatte. „Eine unsportliche Geste, die ich auch mit der roten Karte hätte ahnden lassen können“, erklärte Rätz auf unser Nachfragen hin. Was dann aber wohl allzu dicke Post gewesen wäre… Immerhin führte das Zeitstrafenverdikt dazu, dass der KTV-Trupp den zweiten Spielabschnitt in Unterzahl in Angriff nehmen musste, in der Folge der 3-Tore-Vorsprung der Gastgeber dahinschmolz (17:17) und den Thunern unverkennbar viel Auftrieb verlieh. Einen Auftrieb, der immer deutlichere Spuren hinterliess und in der 37. Minute gar zur erstmaligen Führung der Berner Oberländer an diesem Abend führte. Fatale, arme geknutschte Pet-Wasserflasche…

 

 

 

 

 

 

 

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