Donnerstag, 19 Dezember 2013 11:05

Tolle Kampfmoral gezeigt - Viel Pech bekundet

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Nationalliga A: HC KTV Altdorf – Fortitudo Gossau 30:31

Altdorfer beeindruckten mit nie erlahmendem Einsatz. Schlechter Lohn für letzte Vorstellung im alten Jahr.

Die Würfel sind gefallen

Ivan Fallegger erbrachte gegen Gossau eine starke Leistung. FOTO: RUEDI AMMANNIn der obersten nationalen Stärkeklasse sind am Mittwochabend die letzten Entscheidungen bezüglich Final- respektive Abstiegsrundenteilnahme gefallen. Durch den klaren Heimsieg von St. Otmar gegen Wacker Thun (38:27) und die Auswärtsschlappe von GC/Amicitia Zürich gegen Pfadi Winterthur (24:34) sicherten sich die St. Galler den definitiven Sprung über den Strich. Weitgehend sekundär waren die Resultate zwei weiterer Spiele: Kriens/Luzern – BSV Muri/Bern (27:27) sowie Stäfa – Kadetten/Schaffhausen (23:29).

Die NLA-Finalrunde bestreiten nun Winterthur (31 Punkte), Schaffhausen (30), Kriens/Luzern (24), Muri/Bern (21), Thun (19) und St. Gallen (16). Zum Abstiegsstechen treten an: GC/Amicitia (15), Gossau (14), Stäfa (8) und Altdorf (2). Die Spiele werden anfangs Februar in Angriff genommen. Im Abstiegssektor steigt der Letzte direkt ab, der Vorletzte bestreitet eine Barrage gegen einen NLB-Klub. Gespielt werden insgesamt 12 Partien – die durch das Schlussquartett erzielten Punkte aus der Qualifikationstour werden mitgenommen. – Der HC KTV Altdorf pausiert nun bis zum 10. Januar, um danach das Intensivtraining wieder aufzunehmen, Zuversicht zu tanken und Blessuren einiger Akteure (soweit möglich) auszukurieren.


Getragen durch rund 500 einheimische Fans, welche ihre Truppe mit etwelchen Zwischenovationen eindeckten und nach dem Schlusspfiff mit verdientem Applaus in die Festtagspause verabschiedeten, warteten die Urner gegen Gossau mit einer höchst beeindruckenden kämpferischen Leistung auf. Sie erlahmte auch anlässlich eines grösseren Rückstandes nicht (15:20, 35. Minute). Wenn schliesslich eine hauchdünne Niederlage Tatsache wurde, hatte dieses Fazit verschiedene Gründe.

Die Negativpunkte

Sebastian Munzert erzielte den Altdorfer Führungstreffer schon nach einer halben Minute. FOTO: RUEDI AMMANN   Altdorf begann mit einer ausgesprochen schwachen Defensivleistung – die Gästestürmer führten phasenweise ein eigentliches Herrenleben, schmuggelten sich immer wieder durch die löchrige Abwehr der Platzherren und zogen daraus weidlich Profit. In die (Negativ-) Waagschale fielen in den Reihen des HC KTV Altdorf natürlich auch die verletzungsbedingten Ausfälle von Thomas Mohenski (Schulteroperation), Christoph Piske (Fussverletzung) sowie Lutz Wesseling (Schenkelblessur). Neu hinzukommen wird ein sich aufdrängender chirurgischer Eingriff, dem sich Teamshooter und Topskorer Philipp Reuter zu unterziehen hat. Letzterer plackt sich schon seit längerer Zeit mit einer leidigen Fingerverletzung herum. Ein weiterer Negativpunkt der Altdorfer war am Mittwochabend die schlechte Schussauswertung. Verschiedenste Schüsse verfehlten ihr Ziel allerdings nur knapp, öfters stand einem Erfolg die gegnerische Torumrandung im Weg. Allein Daniel Röösli traf gleich dreimal nur Aluminium. Schliesslich war da auch noch die Spielleitung, die in einer entscheidenden Phase der zweiten Halbzeit mit der Vorteilregel auf Kriegsfuss stand: Gleich zwei Treffer der Marke Dave Zürcher fanden keine Anerkennung, weil seine Efforts nicht laufen gelassen wurden und er zurückgepfiffen wurde. Auch anderweitige diskutable Entscheide der Unparteiischen (zugunsten der Gossauer „mit Nati-A-Bisherigen-Bonus“ gefällt, wie Matchbeobachter auf der Tribüne festgestellt haben wollten), ferner zwei „unterschlagene“ Penaltys wurden vom Publikum mit gellenden Pfiffen quittiert. Schliesslich sei uns eine letzte Feststellung erlaubt: Die Torhüterleistungen im Team des HC KTV Altdorf fielen mehrheitlich ausgesprochen diskret aus – einiges hätte besser gemacht werden können, ja müssen…

Die Leistung der Ostschweizer sei durch diese Anmerkungen nicht herabgemindert. Sie zeigten sehenswerten Handballsport und verfügten in Daniel Stahl über einen Akteur der Sonderklasse (neun Treffer).

3-Tore-Rückstand zur Pause

Samuel Stadelmann war am Mittwochabend gegen Gossau gleich viermal erfolgreich. FOTO: RUEDI AMMANN   Sebastian Munzert war schon nach einer halben Minute für den mächtig applaudierten Führungstreffer der Altdorfer besorgt. Er sowie der eine starke Leistung zeigende Lukas Huwiler waren anschliessend erfolgreich (3:3). Später waren es die erwähnten Torrahmenschüsse der Gastgeber, welche eine Führung des KTV verhinderten. Nach 24 Minuten räumte der entnervte Srdjan Djordjevic seinen Posten zugunsten Marcel Luthigers. Dieser zeichnete sich gleich mit einer Sonderparade aus. Djordjevic mixte später wieder mit. Einen 4-Tore-Rückstand beantworteten später Lukas Huwiler sowie Philipp Reuter (an diesem Abend erneut erfolgreichster Akteur auf dem Feld, mit zehn Treffern), ferner Samuel Stadelmann. Ein unglücklicher Minustreffer liess schliesslich den 3-Tore-Halbzeit-Rückstand der Altdorfer Tatsache werden. Anteil an der Führung der Ostschweizer hatte zu diesem Zeitpunkt unverkennbar deren wesentlich aggressiver zur Sache gehende Abwehr.

Altdorfs Aufholjagd beeindruckte

Nach Wiederaufnahme der Partie profilierten sich Ivan Fallegger, Lukas Huwiler, Philipp Reuter sowie Daniel Röösli mit sehenswerten Treffern. Doch da auf der Gegenseite erneut gepatzert wurde, sahen sich die Gossauer plötzlich mit fünf Längen im Vorteil (16:21, 37. Minute). Eine ausgezeichnete Phase zauberten die Gastgeber in der Folge auf das Parkett der Feldliarena: Reuter, Zürcher sowie Fallegger verkürzten nach genialen Einsätzen. Sie liessen im KTV-Lager neue Hoffnung keimen. 3 Minuten vor Spielschluss waren die Urner weiterhin dran, nachdem Reuter den Ball zum 27:28 im gegnerischen Tor untergebracht hatte. Ein Penalty, den die Gossauer – wie drei vorangegangene Sieben-Meter-Bälle – schnörkellos verwerteten, führte zum 27:29. Coach Burkhard Keller entschied sich darauf, seinen Schlussmann durch einen zusätzlichen Feldspieler zu ersetzen. Das (hohe) Risiko zahlte sich nicht aus (28:31). Reuter verkürzte in der Folge mittels Penalty. Doch die verbleibende Zeit reichte den Altdorfern natürlich nicht mehr dazu aus, Entscheidendes zu bewegen, auch wenn Röösli zusammen mit dem Sirenenton noch das 30:31 markierte.

KTV-Teammanager Markus Brand zollte seiner Truppe für den gezeigten Einsatz abschliessend wohlverdiente Anerkennung. „Nun wird es für uns natürlich extrem schwierig, den Direktabstiegsplatz noch zu umschiffen, aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.“ Auch der verletzte Thomas Mohenski attestierte dem HC KTV Altdorf eine kämpferische Topverfassung, nicht ohne auch der Leistung der gegnerischen Topschützen Anerkennung zu zollen.

Abschliessend eine Prise Statistik: Gegen Gossau wurden 5, gegen Altdorf 2 Zeitstrafen verhängt. Auf beiden Seiten wurden je vier Penaltys diktiert. Eine hundertprozentige Schussauswertung verzeichnete Sebastian Munzert. Auf 80 Prozent brachte es Samuel Stadelmann, auf 76 Philipp Reuter, auf 66 Lukas Huwiler. Nach Abschluss der Qualifikationstour (18 Spiele) hatte der HC KTV Altdorf 466-mal ins Schwarze getroffen (tiefste Quote aller NLA-Teams), hinter Stäfa (468), und 599 Tore kassiert (am meisten aller Teams), vor Stäfa (556).

Altdorfs Aufstellung: Srdjan Djordjevic, Marcel Luthiger; Sebastian Munzert (2), Lukas Huwiler (6), Dave Zürcher (2), Christian Bär, Ivan Fallegger (4), Marc Fallegger, Samuel Stadelmann (4), Fabian Auf der Maur, Tizian Dossenbach, Philipp Reuter (10), Daniel Röösli (2), Christoph Piske (verletzungshalber nicht eingesetzt). -

 

 

Gelesen 2291 mal Letzte Änderung am Freitag, 20 Dezember 2013 18:20