Sonntag, 09 Februar 2014 11:38

Die Kluft wird immer grösser

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Nationalliga-A-Abstiegsrunde: HC KTV Altdorf – GC/Amicitia 23:32

Verletzungsbedingt arg gebeutelte Urner waren gegen stark auftrumpfende Zürcher chancenlos. Christoph Piske traf neunmal ins Schwarze.

Marc Fallegger hebelt die gegnerische Deckung respektlos aus. FOTO: RUEDI AMMANNWas von den 550 zumeist einheimischen Zuschauern am Samstagabend in der Feldliarena erahnt worden war, nämlich ein Erfolg der Gäste - unter dem Zepter von Ex-Nationaltrainer Arno Ehret angereist -, mutierte nach der Pause bald zur Gewissheit. Die athletisch mehrheitlich überlegenen und spielerisch eine starke Leistung abliefernden Ersten des Abstiegsrundenquartetts (mitgenommene 15 Punkte aus der Hauptrunde) waren nahezu mit komplettem Kader eingelaufen. Die Akteure des grössten Handballvereins der Schweiz, mit Nationalteamgoalie Aurel Bringolf und Ex-Nationalspieler Iwan Ursic (190 Länderspiele, 660 Treffer) in seinen Reihen, stellten das gewiefter zur Sache gehende Kollektiv. Die Gastgeber stemmten sich gegen die Niederlage bestmöglich, vermochten aber die triste Ausgangslage vor den verbleibenden elf Klassenerhaltseinsätzen nicht zu stabilisieren: Nachdem in einer weiteren Partie Stäfa gegen Gossau knapp das bessere Ende für sich behalten hatte (25:24 – der Anschlusstreffer der St. Galler fiel erst in der letzten Spielsekunde mittels Penalty), ist die Rückstandskluft der Altdorfer auf die drei Mitstreitenden bezüglich Direktrelegation/Barrage angewachsen: 1. GC/Amicitia Zürich 17 Punkte, 2. Gossau 14, 3. Stäfa 10, 4. Altdorf 2.

Viermalige Führung der Altdorfer

Wieder erfolgreich mit dabei – Sebastian Munzert; rechts (Nr. 11) GC/Ami-Rowdy Nemanja Malovic (Nr. 11), der Lutz Wesseling eine klaffende Gesichtswunde verpasste. FOTO: RUEDI AMMANN   Die Partie wurde seitens der Urner mit Volldampf in Angriff genommen. Sie bekundeten vor der mit mehreren „Hünen“ besetzten gegnerischen Abwehr wenig Respekt. Viermal zogen sie gar in Führung: erstmals nach 95 Sekunden durch Samuel Stadelmann, zweimal durch Dave Zürcher (2:1, 3:2) sowie Daniel Röösli (4:3). GC/Amicitia glich immer wieder postwendend aus. Nach dem 7:11 und einem den Urnern vom Ref-Zweigespann Meier/Hennig nicht zugestandenen Penalty (klares Foulspiel der Zürcher am Kreis) zeigte Christoph Piske Flagge: Nach einer gegen Sebastian Munzert verhängten Zeitstrafe hämmerte er in Unterzahl gleich zwei Bälle ins Netz der Widersacher. Im Verlaufe der Partie war Piske noch sieben weitere Male erfolgreich und damit deutlich erfolgreichster Skorer des KTV-Trupps. Dieser zeigte nach einem 5-Tore-Rückstand, motiviert durch verschiedene Topparaden seitens Marcel Luthiger, welcher den Torhüterposten von Srdjan Djordjevic übernommen hatte, viel Moral. Dem 11:16 setzten Christoph Piske, die Gebrüder Ivan und Marc Fallegger drei genial herausgespielte Treffer entgegen. Mehr wäre sogar durchaus möglich gewesen: Ein Bolide der Marke Samuel Stadelmann prallte von der Latte des Zürcher Tors ins Spielfeld zurück. Im Gegenzug, 10 Sekunden vor dem Pausenpfiff, Ernüchterung für die Gastgeber: GC/Amicitia erhöhte wieder auf drei Längen (17:14).

Rüdes Foul an Lutz Wesseling

Christoph Piske, genialer neunfacher Torschütze gegen die Zürcher. FOTO: RUEDI AMMANN   Die zweite Halbzeit hatte der HC KTV Altdorf in Unterzahl in Angriff zu nehmen. GC/Amicitia nützte die daraus resultierenden Vorteile schnörkellos, um den Vorsprung wieder zu erhöhen. Für helle Aufregung war nach zwei Dritteln der gesamten Spielzeit Gästespieler Nemanja Malovic (montenegrinischer U21-Nationalspieler und neunfacher Torschütze des Abends) besorgt. Er streckte mit ausgefahrenem Ellbogen (Aktion gegen das Gesicht seines Gegenspielers Lutz Wesseling gerichtet) den Letztgenannten förmlich nieder. Wesseling musste sich in der Folge vom Feld begleiten lassen – KTV-Teamarzt Gianmarco Sala hatte die klaffende Gesichtswunde des Altdorfers zu nähen. Der Unglücksrabe stand seiner Formation für den Rest der Partie natürlich nicht mehr zur Verfügung. Die verwerfliche Aktion des Montenegriners Rowdys hätte wenigstens entsprechend geahndet werden müssen – „Rot“ wäre nach Ansicht vieler Matchbesucher das angebrachte Verdikt gewesen. Doch diese Sanktion seitens der Spielleiter blieb aus. Die Platzherren, durch das Vorkommnis verständlicherweise echt geschockt, gerieten immer klarer ins Hintertreffen. Sie verloren die Partie schliesslich mit neun Längen Differenz.

Ex-Nationaltrainer Arno Ehret zum Erfolg seiner Truppe: „Es war absehbar, dass der HC KTV Altdorf den Ausfall Spielmacher Philipp Reuters nicht einfach wegstecken konnte. Umso beachtlicher war der Kampfgeist der Urner.“ Altdorfs Trainer/Coach Burkhard Keller (er wird erfreulicherweise auch während der nächsten Saison in Altdorf an der Arbeit zu sehen sein) befand: „Während der ersten Halbzeit vermochten wir gut mitzuhalten. Danach schlichen sich in unseren Reihen dann zu viele Fehler ein. Unser neues Abwehrsystem liess gute Ansätze erkennen, doch braucht es ganz einfach Zeit, um die erhoffte Jugendliche KTV-Supporter unterstützten „ihr“ Team phonstark. FOTO: RUEDI AMMANN   Konstanz zum Tragen zu bringen. Wir wollen uns in der Defensive schrittweise verbessern. Meiner Truppe, in der auch die so genannt „zweite Garnitur“ eine gute Performance ablieferte, gebührt insbesondere für den gezeigten unbändigen Einsatz Anerkennung.“

Eine Prise Statistik und nächste Einsätze

Auf das Tor der Altdorfer wurden 49, auf jenes der Zürcher 43 Bälle abgefeuert. Bester Skorer im KTV-Kollektiv war Christoph Piske (9 Treffer). Bei GC/Amicitia traf Nemanja Malovic ebenso oft ins Volle. KTV-Torhüter Marcel Luthiger verzeichnete eine 37-prozentige Abwehr-Erfolgsbilanz. Diese war sogar besser als jene von Nationalteamtorwart Aurel Bringolf auf der Gegenseite (32 Prozent). Seitens der Altdorfer Feldspieler liessen sich Sebastian Munzert, Ivan Fallegger sowie Kevin Ledermann eine hundertprozentige Wurf-Erfolgsquote attestieren, vor Marc Fallegger (75 Prozent), Christoph Piske (64), Samuel Stadelmann und Dave Zürcher (je 60).

Pechvogel Lutz Wesseling im „Anflug“. FOTO: RUEDI AMMANN   Die nächsten Einsätze des HC KTV Altdorf im Rahmen der NLA-Abstiegsrunde: 15. Februar auswärts gegen Gossau, 22. Februar zu Hause gegen Stäfa.

Altdorf spielte mit: Srdjan Djordjevic, Marcel Luthiger; Sebastian Munzert (2), Lukas Huwiler, Dave Zürcher (3), Lutz Wesseling, Ivan Fallegger (1), Marc Fallegger (3), Samuel Stadelmann (3), Kevin Ledermann (1), Fabian Auf der Maur, Tizian Dossenbach, Daniel Röösli (1), Christoph Piske (9).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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