Sonntag, 23 März 2014 00:00

Montenegriner Bomber hob Gotthardexpress aus den Schienen

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Nationalliga A, Abstiegsrunde: HC KTV Altdorf – GC/Amicitia Zürich 29:32

Unbestrittener König auf dem Feldliparkett war am Samstagabend Linkshänder Nemanja Malovic (11 Tore). Urner beeindruckten trotz Niederlage mit sehenswertem Einsatz.

Prominenter Gast: Lukas von Deschwanden (links), der für die „Nati“ die wichtigen Spiele gegen Estland (2./4. April) bestreiten wird, mit Simon Jauch im Gespräch. FOTO: RUEDI AMMANN   Ein Spieler prägte die sechstletzte Meisterschaftspartie in der obersten nationalen Stärkeklasse: der gebürtige 22-jährige Montenegriner Nemanja Malovic. Den 1.93 m grossgewachsenen Linkshänder - unter anderem zweimaliger isländischer Meister mit dem Sportclub IBV - bekam Altdorf ganz einfach überhaupt nicht in den Griff. Er spazierte elfmal erfolgreich durch die Abwehrreihen des KTV-Trupps, der bezüglich Deckungsarbeit keine sonderlich gute Figur hinterliess. Es war aber nicht nur Malovic, der den Innerschweizern den angestrebten ersten NLA-Saisonsieg vermieste. Vielmehr begingen die Platzherren halt einfach viel zu viele technische Eigenfehler. Sie gestatteten den Zürchern immer wieder, mit brandgefährlich inszenierten Kontern zu reüssieren, sehr zur Genugtuung des vormaligen Schweizer Nationaltrainers (und GC/Ami-Coaches) Arno Ehret. Rein leistungsmässig darf den Urnern zugute gehalten werden, dass sie vor 300 Zuschauern, die – trotz bereits feststehender Relegation in die NLB – ihrem Team, das mit attraktiven Tempohandball aufwartete, die Treue hielten. Altdorfs Kollektiv beeindruckte immer wieder durch sehenswerte Aktionen. Das Team liess jedenfalls keinerlei Kehrausstimmung erkennen. Es war gleich mehrmals drauf und dran, die favorisierten Gäste an den Rand der ersten Abstiegsrundenniederlage zu bringen.

Jüngster Matchbesucher (mit erst 10 Monaten), Stammhalter Dario mit Vater und Teammanager Markus Brand; links: Marcel Luthiger. FOTO: RUEDI AMMANN   Durch den Sieg Gossaus über Stäfa (29:28) steht übrigens so gut wie fest, dass das Team vom Zürichsee in die Barrage betreffs Klassenerhalt stiegen muss, wie aus dem neusten Zwischenklassement – fünf Spiele vor Abschluss der Relegationsrunde – zu entnehmen ist: 1. GC/Amicitia Zürich (28 Punkte), 2. Fortitudo Gossau (23), 3. Lakers Stäfa (14), 4. HC KTV Altdorf (2).

Klingende Namen auf dem Parkett

Nebst dem erwähnten Wirbelwind Nemanja Malovic stand für die Zürcher weitere Prominenz im Einsatz. So der altbewährte, bereits 37-jährigen Kreisläufer Ivan Ursic (193 Länderspiele) sowie GC/Ami-Spielregisseur Roman Sidorovicz, den Nationaltrainer Rolf Brack (Vater des vormaligen KTV-Spielertrainers Daniel Brack) im Hinblick auf das wichtige Barrage-Spiel der Schweiz gegen Estland (2. April in Tallinn, 4. April in St. Gallen) erstmals in die „Nati“ (erneut mit dem Altdorfer Lukas von Deschwanden, NLA-Topskorer bei Wacker Thun) berufen hat. Letzterer wohnte dem Samstagabendspiel in der Feldliarena übrigens persönlich bei.

Erstmals nach 13 Minuten im Rückstand

Lutz Wesseling (8-facher Skorer), hier im „Anflug“ gegen die GC-/Ami-Deckung, wird den HC KTV Altdorf verlassen. FOTO: RUEDI AMMANNDer HC KTV Altdorf ernete für sein Startfurioso seitens des Publikums wohlverdienten Beifall. Bis zur 10. Minute trafen Christoph Piske (dreimal), Sebastian Munzert (zweimal) sowie Lutz Wesseling, unterstützt durch den ausgezeichnet disponierten Srdjan Djordjevic im Tor, sechsmals ins Volle (6:4). Erst in der 13. Minute (6:6) gelang es den Gästen, in Führung zu ziehen. Beim Stande von 7:9 hatte Daniel Röösli gleich doppeltes Pech. Er sah sowohl einen Penaltyball wie auch den Nachschuss vom Zürcher Schlussmann pariert. Lukas Huwiler läutete (in Unterzahl), beim Stande von 8:12 nach seiner sehenswerten Triplette eine eigentliche Aufholjagd der Gastgeber ein. Bis kurz vor der Pause skorten weiter Fabian Auf der Maur, Samuel Stadelmann und Lutz Wesseling (14:15), nachdem Ivan Fallegger allein vor dem gegnerischen Hüter gescheitert war. Glück für die Zürcher: Just vor der Schlusssirene stellten sie das Skore auf 12:14.

Die „tödlichen“ Eigenfehler

Die Captains Sebastian Munzert (Altdorf, links) und Kay Egger (GC/Amicitia) – in der Mitte der durch Rolf Brack neu in die Schweizer Nationalmannschaft nominierte Roman Sidorovic. FOTO: RUEDI AMMANNNach Wiederaufnahme der Partie fabrizierte der HC KTV Altdorf mehrere fatale Ballverluste. Die abgebrühten Zürcher konterten eiskalt. 17:22 lautete das Skore in der 40., 18:25 in der 43. Minute. Zu allem Überdruss ahndeten die ihr erstes NLA-Spiel leitenden Unparteiischen Christoph und Tobias Oswald einen gegnerischen Fussfehler nicht. Vielmehr entschieden sie auf Penalty gegen Altdorf. Doch die Platzherren steckten den Tiefschlag locker weg, um gleich anschliessend zu einer erneuten Offensivphase zu blasen. Unterstützt durch den zwischenzeitlich ins Tor eingewechselten Nicolas Stocker (Penalty gehalten, mehrere gegnerische Einzelvorstösse neutralisiert) verkürzten sie ihren Rückstand auf 23:26. Fabian Auf der Maur sah sich in der Folge aus unerfindlichen Gründen zu einer Zeitstrafe verknurrt. GC/Amicitia nutzte die Gunst der Stunde, um seinen Vorsprung wieder auszubauen (52. Minute, 24:29). Altdorf gab sich indessen nicht geschlagen. Stocker parierte einen „gesuchten“ Penalty, Wesseling traf zweimal ins Volle, Dave Zürcher verkürzte auf 27:29. Als dann angezeigtes gegnerisches Zeitspiel nicht sanktioniert wurde und sich daraus das 27:30 ergab, setzten die Gastgeber alles auf eine Karte: Sie ersetzten ihren Torsteher 2 Minuten vor Spielschluss durch einen zusätzlichen Feldspieler. Prompt gelang Auf der Maur das 28:30 – Huwiler verpasste eine weitere Resultatverbesserung nach verschossenem Penalty. Die Zürcher gewannen schliesslich mit drei Längen Vorsprung, nachdem Stadelmann für die Urner den letzten (sehenswerten) Treffer markiert hatte.

Samuel Stadelmann am Drücker zum letzten KTV-Treffer gegen die Zürcher. FOTO: RUEDI AMMANN   Für die Statistiker einige aufschlussreiche Zahlen: Djordjevic liess sich 28, Stocker gar 40 Prozent erfolgreiche Abwehrparaden attestieren. Eine hundertprozentige Erfolgsquote verzeichneten Stadelmann, Auf der Maur sowie Ledermann, vor Munzert (80) sowie Wesseling (72). Beide Mannschaften erhielten je 3 Zeitstrafen aufgebrummt. – Das nächste Heimspiel bestreitet der HC KTV Altdorf am Samstag, 29. März, gegen Fortitudo Gossau (18 Uhr, Feldli).

Altdorf spielte mit: Srdjan Djordjevic, Nicolas Stocker; Sebastian Munzert (4), Lukas Huwiler (4), Dave Zürcher (1), Lutz Wesseling (8), Ivan Fallegger (2), Marc Fallegger, Samuel Stadelmann (4), Kevin Ledermann (1), Fabian Auf der Maur (2), Daniel Röösli, Christoph Piske (3).

 

Lutz Wesseling geht

Der HC KTV Altdorf lieferte, wie aufgezeigt, einen beherzten Einsatz ab, in welchem Lutz Wesseling (er wird den Verein auf Saisonende hin verlassen, wie bereits feststeht – weitere Mutationen respektive Abgänge/Zuzüge sind zurzeit im Hinblick auf die NLB-Saison 2014/15 noch nicht spruchreif) als Dreh- und Angelpunkt gleich achtmal ins gegnerische Tor traf, vor Sebastian Munzert, Lukas Huwiler und Samuel Stadelmann (je viermal). KTV-Trainer Burkhard Kellers Kommentar nach Spielschluss: „Unser Team hat gegen GC/Amicitia bezüglich Einsatz alles gegeben. Kompliment. Ich möchte mal ein anderes Team sehen, das bei derart viel „Ungemach“ (Verletzungen, Benachteiligungen usw.) nach den bisher bestrittenen 25 NLA-Spiele) den Kopf nicht hängen lässt.“

 

Gelesen 2218 mal Letzte Änderung am Sonntag, 23 März 2014 12:51