Sonntag, 07 September 2014 00:00

Nervenkitzel und Spektakel bis zur Schlusssekunde

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Nationalliga B: HC KTV Altdorf – TV Steffisburg 25:25

Kein Honigschlecken gegen aufsässige Aufsteiger. Geburtstagskind Marko Koljanin erzielte für den KTV-Trupp den Ausgleich, nach vorgängig 9-Tore-Rückstand seines Teams.

koljanin27gebDie rund 350 aufmarschierten Kiebitze hatten am späten Samstagabend in der Feldliarena im Fight zwischen NLA-Absteiger und 1.-Liga-Aufsteiger eigentlich einen klaren Sieg der vorgängig eher favorisierten Gastgeber erwartet. Denkste… Das Berner Kollektiv ging forsch zur Sache – die Altdorfer vermochten vorerst überhaupt nicht zu überzeugen.

Die Besucher hatten in ihren Reihen einen Akteur der Sonderklasse stehen, den 2.03 m grossen Hünen Lenny Rubin. Rubin? Auch schon gehört? In der Tat, der neunfache Skorer der Steffisburger ist Sohn des früheren Top-Internationalen Martin Rubin (zurzeit Erfolgstrainer bei Wacker Thun), der während seiner Aktivzeit am zweitmeisten Bälle aller Zeiten (878 Treffer in 238 Länderspielen) in die gegnerischen Maschen gehämmert hatte. Lenny gehört zurzeit der U19-Nationalmannschaft an und ist drauf und dran, definitiv in die Fussstapfen seines Vaters zu treten. In Altdorf war der wieselflinke und schussgewaltige Berner Paradestürmer kaum an die Leine zu legen – er „erlegte“ seine Widersacher immer wieder respektlos, um am ersten Spielabend der neuen NLB-Meisterschaft mit neun Treffern zum Topskorer seines Kollektivs zu avancieren.

Versiebter Auftakt

ObadabklatschDer HC KTV Altdorf versuchte sich gegen die Steffisburger, welche die Urner letzte Saison aus dem Cuprennen katapultiert hatten, mit einer 6:0-Deckung. Die Abwehrreihe der Platzherren erwies sich indessen schon bald nach erfolgtem Anpfiff der mediokren Spielleiter als eigentliche „Baustelle“. Trainer Mario Obad und Coach Dani Lussi werden zweifelsohne noch ein gerütteltes Mass Arbeit zu bewältigen haben, um ihre Defensive bestmöglich auf Vordermann bringen zu können.

Für den ersten KTV-Saisontreffer war schon nach wenigen Spielsekunden Thomas Mohenski besorgt. Der Langzeitverletzte der letzten Saison sah sich im Verlaufe der Partie dann durch ein rüdes Foul Ciril Gehrigs aufs Parkett befördert, was dem Berner richtigerweise den roten Karton (Platzverweis) bescherte. Wer nach dem 1:0 einen Sturmlauf der Innerschweizer erwartet hatte, sah entsprechende Hoffnungen schon bald jäh zerstört. Der TV Steffisburg zeigte postwendend, dass er gegen die Favoriten etwas im Schilde führte. Blitzschnell lancierte Attacken hoben die KTV-Abwehr Mal für Mal aus den Angeln. Bald lautete das Skore 2:4. Seltenheitswert hatte der vierte gegnerische Treffer: Steffisburgs Torsteher hatte bemerkt, dass Marcel Luthiger weit aus dem Tor gekommen war, um Letzteren mit einem Direkschuss vom eigenen Kreis aus prompt zu überlisten. Dem späteren 3:6 setzten Fabian Auf der Maur und Mario Obad das 5:6 entgegen. Obad versiebte in der Folge gleich zwei Penaltychancen. Steffisburg profitierte vom daraus resultierenden Frust der Platzherren, um bis zur 24. Minute auf 7:12 davonzuziehen und den Vorsprung bis zum Pausenpfiff auf acht Längen (9:17) zu erhöhen. Sachverständige Matchbesucher hatten bis zu diesem Zeitpunkt insbesondere ausgelotet, dass im Gastgeberteam kaum jemand die Verantwortung zu übernehmen bereit war, viele Aktionen überhastet und kaum effizient abgeschlossen wurden, aber auch (zu) viel diskutiert statt agiert wurde. Altdorf darf zugute gehalten werden, dass Steffisburg während der ersten Halbzeit eine starke Defensivleistung erbrachte. Sie war nur schwer zu knacken.

Gangartänderung zahlte sich aus

Lussi SteffAltdorf stellte im Hinblick auf den zweiten Abschnitt sein Spielkonzept um (3:2:1). Fabian Auf der Maur verpasste Lenny Rubin eine zumeist gut funktionierende Manndeckung. Sie verfehlte ihre Wirkung nicht. Auch liess sich Marcel Luthiger zwischen den Pfosten durch Nicolas Stocker ersetzten. Letzterer wartete in der Folge mit etlichen Traumparaden und einer insgesamt 58-prozentigen Erfolgsquote (11 von 18 gehaltene Schüsse) auf. Nach dem 10:19 zeichnete sich ab, dass die nun leistungsmässig unverkennbar zulegenden, konzentrierter und wirkungsvoller zur Sache gehenden Platzherren nicht willens waren, die Flinte vorzeitig ins Korn zu werfen. Obag, Koljanin und Auf der Maur reduzierten den Rückstand der Altdorfer bis zur 42. Minute auf vier Längen (16:20). Die definitive Wende zeichnete sich während der letzten 10 Spielminuten ab. Marc Fallegger sowie Marko Koljanin verkürzten bis zur 54. Minute auf 22:24 – Ivan Fallegger weckte die KTV-Hoffnungen auf einen möglichen Punktegewinn definitiv (23:24). 35 Sekunden vor Spielende zauberte Koljanin nach dem 23:25 den erneuten Anschlusstreffer aus dem Hut. Das nunmehr 27-jährige Geburtstagskind (Präsident Stefan Arnold hatte es noch vor Spielbeginn mit der Überreichung eines Präsents geehrt) bedankte sich schliesslich gleich persönlich mit dem 25:25. Altdorf hatte dadurch den Kopf noch einigermassen aus der Schlinge gezogen und sich dadurch wenigstens definitiv einen Zähler gesichert. Und liess sich auch nach einigen Turbulenzen auf dem Spielfeld – Obag sah sich noch unmittelbar vor Spielschluss mit der roten Karte eingedeckt, nachdem er (angeblich…) reglementswidrig ein zügiges Wiederanspiel der Berner verhindert hatte.

Stimme zum Spiel – und einige Zahlen

FallivansteffKTV-Coach Dani Lussi: „Während der ersten Halbzeit vermisste ich in unserem Kollektiv die Emotionen. Im Angriff wurde teils undisziplinert agiert. In der Abwehr wurde gepatzert. Während des zweiten Spielabschnittes sah ich unsere Leute mit einer beeindruckenden kämpferischen Leistung am Werk. Im weiteren Meisterschaftsverlauf müssen wird jetzt noch vermehrt Cleverness (lies: Schlitzohrigkeit) zum Tragen bringen.“

Gegen Steffisburg profilierten sich als Skorer Mario Obad (8 Treffer), vor Marko Koljanin (5), Ivan Fallegger (4) und Fabian Auf der Maur (3). Eine 100-prozentige Abschlussquote verzeichnete Tizian Dossenbach, vor Fabian Auf der Maur (75) sowie Ivan Fallegger und Marc Fallegger (je 66).

Die weiteren NLB-Ergebnisse der Startrunde: Yellow Winterthur – Chênois Genf 27:21, Birsfelden - Endingen 26:27, Zofingen – Baden 22:22, Schaffhausen II – Möhlin 30:29, RTV Basel – Horgen 23:31, Siggenthal/vom Stein Baden – Kreuzlingen 24:25. – Der HC KTV Altdorf bestreitet am kommenden Samstag das zweite NLB-Meisterschaftsspiel erneut vor eigenem Publikum, und zwar gegen Birsfelden (Feldli, 18 Uhr).

Gegen Steffisburg spielten: Marcel Luthiger, Nicolas Stocker; Sebastian Munzert, Ivan Fallegger (4), Cyrill Keller, Marc Fallegger (2), Samuel Stadelmann (1), Thomas Mohenski (1), Kevin Ledermann, Fabian Auf der Maur (3), Tizian Dossenbach (1), Mario Obad (8), Marko Koljanin (5).

 

 

Gelesen 1582 mal Letzte Änderung am Sonntag, 07 September 2014 16:16
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