Mittwoch, 23 Dezember 2015 00:00

Irres Handballspektakel – Sensation in absoluter Griffnähe

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Cup-Achtelfinal: HC KTV Altdorf (NLB) – St. Otmar St. Gallen (NLA) 24:25

Oberklassige sahen sich während längerer Zeit echt zerzaust. Urner führten mit sieben Toren Vorsprung (38. Minute). Wo blieb in den Schlusssekunden der Penaltypfiff?

eppbrückerstiegeÜber 400 Zuschauer aus der Ost- respektive Urschweiz nahmen am Dienstagabend den Weg in die Feldliarena unter die Füsse. Sie hatten ihr Erscheinen nicht zu bereuen. Denn ein Handballspektakel der Spitzenklasse prägte den Schweizercup-Achtelfinal über weite Phasen. Schade war natürlich, dass der in den Reihen der Altdorfer „gross“ gewordene Jost Brücker (Nationalmannschaftsmitglied und ab kommender Saison beim NLA-Klub Kriens/Luzern engagiert) in den Reihen der Gäste infolge einer Verletzung nicht aktiv mit dabei sein konnte und den Fight nur vom Spielfeldrand aus zu verfolgen vermochte. Bei den Otmärlern fehlten im Übrigen drei weitere Stammakteure, beim HC KTV Altdorf der verletzte Marius Kasmauskas.

4-Tore-Führung der Besucher

obaddanlusDie Gäste, welche vor 52 Jahren (!) bereits einmal einen Cupfight in der Urner Metropole bestritten hatten (damals auf dem Grossfeld der Schützenmatte, hinter dem Tellspielhaus), und nur mit 20:17 das bessere Ende gegen den seinerzeitigen Nobody für sich behalten hatten), starteten zum Achtelfinal in Altdorf standesgemäss. Sie führten nach 5 Minuten 3:1 und - im Anschluss an den ersten KTV-Treffer durch Fabian Auf der Maur und dem zweiten durch Ivan Fallegger - nach 10 Minuten 6:2. Die (erste) grosse Schau der Gastgeber setzte dann in der 20. Minute ein, nachdem David Arnold(10:9 und 12:9) und dazwischen Ivan Fallegger die Altdorfer erstmals an diesem denkwürdigen Abend in Front schossen und Marcel Luthiger im Tor der Platzherren mehrmals gezaubert hatte. Die Ostschweizer, mit ihren athletischen, grossgewachsenen Hünen, sahen sich immer wieder durch die sackstark auftrumpfende, ausgezeichnet organisierte einheimische Abwehr gestoppt. Der Beweis: Während der zweiten Viertelstunde trafen die hochkarätigen NLA-Schützlinge Trainer Predrag Borkovics nur mal gerade dreimal (!) ins Altdorfer Tor. Die Gastgeber hatten die Nase zur Pause mit 14:11 im Wind.

KTV-Torefestival ging munter weiter

arnolddavidotmar filteredMänniglich rieb sich in der Folge die Augen, nachdem die Einheimischen auch nach erfolgtem Seitenwechsel nichts von ihrer Spritzigkeit einbüssten und die St. Galler „Overdogs“ mächtig unter Druck setzten. Mit einer roten „Direktkarte“ sah sich in der 35. Minute, nach einem brutalen Foul und (offenbar) blank liegenden Nerven, der Serbe Igor Milovic unter die Dusche verabschiedet. In einer doppelten Überzahlphase waren Fabian Auf der Maur und Ivan Fallegger zwischenzeitlich für das vielversprechende 20:13 besorgt. Eine Sensation bahnte sich damit an. Nun war es indessen plötzlich der HC KTV Altdorf, der etwas übermotiviert wirkte, einige fatale technische Fehler beging, unnötige Ballverluste produzierte und kräfte- sowie konzentrationsmässig sichtlich abbaute. Diese Fakten nützten die Otmärler eiskalt aus, zumal in ihren Reihen Keeper Martin Galia zu einer eigentlichen Hochform auflief. Nach 47 Minuten war aus dem 7-Tore-Vorsprung der Urner ein 20:20 geworden. Nicolas Stocker, der zu diesem Zeitpunkt den Posten Marcel Luthigers übernommen und (wie sein Vorgänger) ein Penaltygeschoss magistral pariert hatte, wartete in der Folge mit sehenswerten Interventionen auf.

Penaltyverdikt blieb aus

falivaotmar filteredNach dem 22:25 liessen Marc Fallegger und Spielertrainer Mario Obad die Hoffnungen des KTV-Kollektivs nochmals keimen (24:25) und die heimischen Fans ein zweites Mal auf die Sensation hoffen. Dies umso mehr, als Topskorer Marko Koljanin nach einer weiteren Parade Stockers - er hatte einen allein auf seinen Kasten losstürmenden St. Galler alt aussehen lassen - 15 Sekunden vor Spielschluss direkt am gegnerischen Kreis rüde von den Beinen geholt worden war. Die Spielleiter Anthamatten/Wapp wollten einen auch vom Publikum mit gellenden Pfiffen geforderten Penalty einfach nicht „gesehen“ haben. Dies war umso fataler, als eine Verlängerung bereits so gut wie sicher ausgesehen hatte, zumal Koljanin gleich anschliessend einen Ball nur um Haaresbreite im Aussennetz anstatt im Tor landen sah.

Zur ausgezeichneten Vorstellung der unterklassigen Altdorfer bleibt anzumerken, dass Ivan Fallegger (bei 100-prozentiger Chancenauswertung) sechsmal, Marko Koljanin und Mario Obad insgesamt je fünfmal ins Ziel trafen. Die Abwehrquoten der KTV-Keeper Marcel Luthiger (7 Paraden, 26 Prozent) und Nicolas Stockers (4, 45 Prozent) verdienen spezielle Beachtung. Das handballbegeisterte Publikum unterliess es natürlich nicht, die gesamte KTV-Truppe für die beeindrucke Leistung gebührend mit langanhaltendem Applaus aus dem „Handballjahr“ 2015 zu verabschieden. – Die Meisterschaft findet nun erst am 30. Januar 2016 mit der Auswärtspartie in Zofingen ihre Fortsetzung.

Altdorf spielte mit: Marcel Luthiger, Nicolas Stocker; Marc Vollenweider, Dave Zürcher, David Arnold (2), Ivan Fallegger (6), Marc Fallegger (2), Joy Gisler, Flavio Fallegger, Fabian Auf der Maur (2), Tizian Dossenbach (2), Yannick Drollinger, Mario Obad (5), Marko Koljanin (5).

 

Gelesen 1246 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 23 Dezember 2015 17:12