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Donnerstag, 21 Dezember 2017 18:34

NLB - Rückblick auf die Vorrunde 2017/2018

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Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende entgegen. Die Vorrunde konnte mit dem Sieg gegen Steffisburg immerhin noch versöhnlich beendet werden. Nach miserablem Saisonstart hat man sich im Abstiegskampf ein wenig Luft verschafft und überwintert nicht mit dem Messer am Hals. Doch bevor der Fokus auf die Rückrunde rückt, gilt es nun vom Handballsport abzuschalten und die Festtage zu geniessen. Dies ist auch ein guter Zeitpunkt, um auf die letzten Monate zurückzuschauen.

Neue Mannschaft – neues Glück

Nebst dem Ende der Ära Fallegger hatte der KTV Altdorf weitere Abgänge zu vermelden. Noah Ineichen verliess die Urner nach nur einer Saison in Richtung Zürich und schloss sich dem NLA-Kader der Stadtzürcher an. Zurück in die Heimat verabschiedeten sich Yannik Drollinger und Nicolai Christensen und hinterliessen eine Lücke am Kreis sowie im linken Rückraum. Eine schwerwiegende Verletzung von Marko Koljanin verunmöglichte weitere Einsätze und er wird der Mannschaft erst wieder im nächsten Jahr zur Verfügung stehen. Da sich zusätzlich auch noch die Urner Eigengewächse David Arnold, Marc Vollenweider und Elias Arnold aus der ersten Mannschaft verabschiedeten, wurde das Kader stark dezimiert. Der Vorstand um den neuen Vereinspräsidenten Beat Arnold und Sportchef Mirko Funke hatte alle Hände voll zu tun. Die Kreisläuferposition konnte mit Roland Szabo, der bereits bei Yellow Winterthur in Gelb auflief, und dem Rückkehrer und Routinier Martin Betschart besetzt werden. Später liess sich auch Sebastian Munzert zum Comeback überreden und beehrt die erste Mannschaft seit da an mit seiner Anwesenheit. Aus dem Muotathal holte man den jungen Shooter Samuel Wyss, der zusammen mit dem Junior Marco Inderbitzin für Entlastung im Rückraum sorgt. Auf Halbrechts holte man litauische Power in Form von Edvinas Vorobjovas und die Flügel versuchte man durch sogenannte Talentförderungslizenzen zu ergänzen. Den beiden Muotathaler Arno und Pascal Gwerder wollte man erste Einsätze in der NLB verschaffen. Nachdem Arno in der Vorbereitung sehr zu überzeugen wusste, riss er sich leider das Kreuzband und musste noch vor seinem ersten Einsatz eine lange Verletzungspause hinnehmen. Da bei Pascal der Stammverein KTV Muotathal erste Priorität hat und sich die Spiele (zu) häufig überschnitten, kam er lediglich auf drei Einsätze. Auf der Torhüterposition holte man nach Noah Ineichen erneut einen Luzerner Torhüter, der das Handball-ABC bei der SG Pilatus erlernt hatte. Christian Amrein spielte die letzten beiden Jahre beim TV Endingen. Spielertrainer Mario Obad war nun gefordert. Seine Aufgabe bestand darin, die neuen Spieler schnellstmöglich in das Kollektiv zu integrieren.

Vorbereitung mit starken Testspielauftritten

Die Mannschaft durfte sich glücklich schätzen, dass bereits im ersten Vorbereitungsblock viel mit dem Ball trainiert wurde. Einerseits muss sich die neu formierte Mannschaft spielerisch finden, was bei doch eher bescheidenem Trainingsumfang einige Zeit in Anspruch nimmt. Anderseits macht es auch einfach viel mehr Spass als trockenes Athletiktraining. In den Testspielen konnten überraschenderweise gute Resultate gegen Meisterschaftsgegner erzielt werden. Abseits der Halle verbrachte die Mannschaft viel Zeit miteinander und es entstand ein guter Teamspirit. Der Spass kam sicherlich nie zu kurz und aufgrund der guten Testspiele sah die Mannschaft dem Meisterschaftsstart optimistisch entgegen. Dies, obwohl man in den ersten Spielen den Spitzenteams der Reihe nach entgegentreten musste.

Desaströser Meisterschaftsstart

Samstag, 2. September 2017, Saisonstart gegen den STV Baden im Feldli. Vierzehnte Minute: bereits 4 Tore hinten, bis zur Pause dann Minus 7. Gar nichts hatte man den Aargauern um Neuzugang Marcus Hock entgegen zu setzten. Keine Teamleistung, keine guten Einzelaktionen, keine Kampfbereitschaft. In der zweiten Halbzeit konnten dann endlich die ersten Akzente in der neuen Spielzeit gesetzt werden, auch wenn ein Punktgewinn nicht mehr in Reichweite gelangte. In Solothurn zeigte die Mannschaft eine starke Reaktion und bot die bisher wohl beste Abwehrleistung der Vorrunde. Da in der zweiten Hälfte der Angriffsmotor stotterte, schien auch dort ein Punktgewinn in weite Ferne gerückt. Dank gütiger Mithilfe des Gegners holte man in den letzten 5 Minuten 6 Tore auf und verbuchte durch das Remis den ersten Punkt. Eine Woche später gegen Schaffhausen lief dann der Angriff, doch die Defensivleistung war inexistent. Im Spiel gegen Möhlin verkaufte man sich lange gut, zerfiel aber nach der Disqualifikation von Mario Obad und man wurde wieder klar geschlagen. Gegen Stäfa hätte man dann wohl jeden Zuschauer ins Tor stellen können und man hätte nicht mehr Tore erhalten. Dies waren sicherlich verschenkte Punkte, da sich Stäfa an diesem Abend auch in äusserst schwacher Form präsentiert hatte. Im abschliessenden Spiel gegen die Spitzenteams erteilte uns dann der souveräne Leader RTV Basel eine Lehrstunde und somit wurde der Fehlstart besiegelt. 6 Spiele, ein Punkt, Abstiegsplatz.

Lichtblick Schweizer Cup

Ganz sieglos blieb die Mannschaft jedoch nicht. Ich Cup überstand der KTV mit Ach und Krach die zweite Runde gegen den Erstligisten aus Genf und überstand auch die nächste Runde gegen den NLB-Vertreter TV Steffisburg. Man qualifizierte sich somit für den Viertelfinal gegen das Spitzenteam Pfadi Winterthur. Die Verunsicherung aus dem Saisonstart war allen Spielern anzusehen. Trotz 0:5 Rückstand kämpfte sich die Mannschaft zwischenzeitlich nochmals näher heran und verhinderte so eine Kanterniederlage. Zu holen gab es sowieso nichts, denn die Pfader zeigten, wieso sie national zu den stärksten Mannschaften gehören.

Derbysieg

Die Ungewissheit vor dem Derby gegen den Aufsteiger Stans war gross. Der Tabellenletzte empfängt den Vorletzten. Beide Mannschaften konnten noch kein Spiel gewinnen und Erfolgserlebnisse waren beidseitig eher rar gesät. Das Spiel hätte aus Urner Sicht jedoch nicht besser verlaufen können. Der diskussionslose Sieg war Balsam für die Seele. Stans wurde an die Wand gespielt und der Sieg mit 9 Toren Differenz hätte auch noch höher ausfallen können. Der erste überzeugende Auftritt der Saison machte Lust auf mehr. Es hätte der Start werden sollen für die grosse Aufholjagd. Hätte. Sollen.

Verschenkte Spiele, verschenkte Punkte

Gegen Yellow lag man nach drei Viertel der Spielzeit mit einem Tor hinten. Doch anstatt das Spiel zum ersten Heimsieg zu drehen, liess man den Gegner davonziehen und stand wieder mit leeren Händen da. Doch es wurde noch schlimmer. Viel schlimmer. Gegen Siggenthal führte man nach 40 Minuten mit 6 Toren. Doch wenn es hinten in jedem Angriff klingelt und man die Torproduktion einstellt, kann man auch daraus eine weitere Niederlage basteln. Gegen Birsfelden verspielte man die 4 Tore Führung und rettete schlussendlich immerhin noch einen Punkt.

Wiedergutmachung

Zweiter Dezember, erster Heimsieg. Endlich, dachten sich wohl viele. Gegen die Aufsteiger aus Biel, welche sich bisher erstaunlich gut verkaufen, resultierte der erste Vollerfolg zu Hause. Horgen wurde auswärts nach überragender ersten Halbzeit deutlich geschlagen und auch gegen den Tabellenletzten aus Steffisburg gab es zwei Punkte aufs Konto. Damit verschaffte man sich endgültig eine wenig Luft im Abstiegskampf

Fazit

Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie gut Decken kann. Sie hat gezeigt, dass sie viele Tore werfen kann. Jeder Spieler hat gezeigt, dass er über Qualitäten verfügt, mit denen er der Mannschaft helfen kann. Aber warum resultieren daraus so wenige Punkte? So hart es klingt, die Mannschaft konnte ihre Stärken immer gut kompensieren. Stellt man eine gute Deckung, kann man ja offensiv so schlecht spielen, dass es nicht reicht. Man kann auch gut angreifen und dabei in jedem Gegenangriff ein Tor zulassen. Dann reicht es auch nicht. Es ist auch gut möglich, über weite Strecken offensiv und defensiv zu überzeugen, solange man eine katastrophale Phase einstreut, die den Effort wieder zunichtemacht. Konstanz hiesse also das Zauberwort. Das traurige an der der ganzen Situation ist ja, dass die Mannschaft über eine enorme Qualität verfügen würde, wenn man die dann auch regelmässig und über die gesamte Spieldauer abrufen könnte. Der Auftrag für die Rückrunde scheint klar zu sein, denn die Zeit für Ausreden ist nun definitiv vorbei.

Ausblick auf die Rückrunde

Die Tabellensituation sieht im Moment entspannter aus, als sie tatsächlich ist. Mit 10 Punkten hat man auf den TV Steffisburg zwar bereits 6 Punkte Vorsprung. Die Frage wird sich da wohl stellen, wie wichtig die NLB-Mannschaft für den Partnerverein Wacker Thun ist. Je nach dem könnte sich die Personalsituation noch verändern. Wird die Mannschaft nicht mehr verstärkt, sind die Oberländer wohl Abstiegskandidat Nummer 1. Der BSV Stans hat zum Abschluss der Vorrunde überraschenderweise den TV Möhlin geschlagen. So überraschend ist der Sieg auf den zweiten Blick dann aber doch nicht. Die Handschrift des im Sommer zu Stans zurückgekehrten Trainers Andy Gubler ist langsam ersichtlich. Mit dem Serben Nikola Perovic und dem Brasilianer Fernando Skrebsy Dutra verpflichtete der BSV zwei Verstärkungen. Den Stansern kann in der Rückrunde also einiges zugetraut werden. Nur gerade einen Punkt Vorsprung hat der KTV Altdorf gegenüber der HSG Siggenthal und man ist punktgleich mit der Mannschaft aus Horgen. Der TV Birsfelden (11 Punkte), Schaffhausen (11) und Winterthur (12) sind nur einen Sieg entfernt. Auf Platz 5 sind es lediglich 4 Punkte Rückstand. Es ist alles möglich und Spannung ist garantiert. Die Mannschaft ist gut beraten, in den ersten Spielen zu Punkten, um nicht in akute Abstiegsgefahr zu geraten. Die Option, dass man die Saison noch rettet und durch eine gute Rückrunde ins vordere Mittelfeld gerät, ist auch gegeben. Ich persönlich wäre ja für die Flucht nach vorne.

Die erste Mannschaft bedankt sich bei den Zuschauern für die grossartige Unterstützung im Jahr 2017. Ein herzlicher Dank geht auch an alle Vereinsmitglieder, Helfer und Sponsoren, die es uns ermöglichen, hier auf diesem Niveau Handball spielen zu dürfen. Wir wünschen euch allen schöne Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Erstes Heimspiel der Rückrunde: 3.2.2018 um 18:00 gegen den TV Solothurn

Bericht: Christian Amrein

 

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