Montag, 22 November 2021 12:39

Cupspektakel im Feldli

geschrieben von Spielbericht
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Paris Saint Germain, SG Flensburg-Handewitt, RK Vardar Skopje – Nein, dies ist keine Hammergruppe in der diesjährigen Handball Champions League, es sind die ehemaligen Vereine der beiden Krienser Leistungsträger Janus Lapajne und Domen Sikosek Pelko. Dazu gesellt sich Milos Orbovic mit 33 Länderspielen für die serbische Nationalmannschaft und ebenso vielen Champions-League Toren in der letzten Saison für den ukrainischen Vertreter HC Motor. Der Neuzugang ist der momentan formstärkste Spieler des HCKL. Zuletzt erzielte er neun Tore gegen Bern und Thun und wird nun auch in Altdorf begeistern wollen. Doch Alleinunterhalter ist er keinesfalls, neben ihm tummeln sich sieben weitere Legionäre im Kader der Luzener. Nach dem verlorenen Cupfinal im Vorjahr soll diesen Frühling der erste Titel in der Vereinsgeschichte gefeiert werden. Nationaler Spitzenhandball im Feldli ist also garantiert.

 

Nur ein Zwischenstop auf der Reise zum ganz grossen Coup soll dieses Cupwochenende in Aldorf werden für den HC Kriens-Luzern. Die Chancen darauf stehen auch gar nicht schlecht. Im neu geschaffenen Modus treffen sich vier Mannschaften an insgesamt acht Spielorten, nach den Sechzehntelfinals am Samstag und den Achtelfinals am Sonntag bleibt pro Spielort ein Team übrig. Die Luzerner sind dabei in Altdorf der einzige Vertreter aus der NLA und bekommt es am Samstag mit den Altdorfer zu tun. Im zweiten Spiel duellieren sich die beiden NLB-Vertreter aus Winterthur und Stäfa.

 

Für die Altdorfer ist diese Cuppartie bereits das letzte Highlight der Saison. In der Rückrunde geht es nach dem Verpassen der Finalrunde nur noch um den Ligaerhalt. Die Mannschaft befindet sich nach dem Abstieg aus der NLB und den darauf folgenden zwei Saisonabbrüchen im Umbruch. Das Kader wurde verjüngt und mit Stefan Epp übernahm ein Altdorfer die Geschicke an der Seitenlinie. Als ernsthafter Herausforderer der Krienser gilt man so sicher nicht. Bereits im Sommer erhielten die Altdorfer im Testspiel vom Innerschweizer Primus eine Lehrstunde erteilt. Dass sich daran im Ernstkampf gross etwas ändert, darf aus Altdorfer Sicht leider auch nicht erwartet werden. Zu gross ist der Leistungsunterschied zur NLA, auch wenn die Krienser bisher alles andere als überzeugen konnten. Denn auch mit den teils sehr schwachen Auftritten, mit denen sie in der NLA chancenlos waren, können sie den KTV Altdorf überfordern, denn die individuelle Klasse bleibt. Doch bei diesem Grossevent vor heimischer Kulisse will man die eigene Haut trotzdem so teuer wie möglich verkaufen. Vielleicht reicht es ja in der Startphase für eine kurzzeitige Altdorfer Führung.

 

Die Rolle des Krienser Stolpersteins müsste dann am Sonntagnachmittag im Achtelfinale wohl Handball Stäfa einnehmen. Die Mannschaft von rechten Zürichseeufer befindet sich in der Spitzengruppe der NLB. Die Mannschaft besitzt einen guten Mix aus erfahrenen Spielern und jungen Talenten. Vier Siege aus den letzten fünf Spielen unterstreichen die momentane Topform. Kommt es am Samstag zu keiner Überraschung, wird sich zeigen, wie weit die NLB Spitze vom Achten der NLA entfernt ist. Denn auch in der zweiten Partie ist die Favoritenrolle klar verteilt. Es spielt ein NLB-Spitzenteam gegen ein Kellerkind. Die Winterhurer Mannschaft, einst das Aushängeschild des zweiten Winterhurer Traditionsvereins Yellow, der sich durch die Austragung des Yellow-Cups in der Handballschweiz einen Namen gemacht hat, ist mittlerweile ein Teil der Talentschmiede des Schweizermeisters Pfadi. Betrachtet man die Kaderliste, sind Jahrgänge mit 19xx Seltenheit, die Millenials haben übernommen. So spricht man von einer erfolgreichen Saison, wenn vielen Talenten Spielzeit in der NLB garantiert werden konnte und schlussendlich trotzdem der Klassenerhalt zu Buche steht. Die Ambitionen auf einen Cuperfolg hegt aber nur der grosse Bruder.

 

Der neue Modus mit gesetzten Teams spielt sowohl den ganz kleinen sowie den ganz grossen in die Hände. Acht der zehn NLA Teams spielen gegen einen Erstligisten, Wacker Thun sogar gegen einen Genfer Zweitligisten. Mit diesen Partien können wohl alle beteiligten leben. Es ist das erhoffte Highlight für den Unterklassigen, der vom Titelgewinn nicht mal zu träumen wagt und zugleich ein vermeintliches Freilos fürs Oberhaus. Die beiden Teams aus Winterthur und Stäfa gehören aber klar zu den Verlierern. Denn mit Losglück kann man die Favoriten nicht mehr umgehen und es werden sich schlussendlich wohl acht Teams aus der Belletage durchsetzen.

 

Das erfreulichste an der ganzen Sache für den Schweizer Handball ist, dass sich die unterklassigen Vereine, die das Vorrecht auf die Austragung dieser Turniere haben, ins Zeug legen um wahrliche Handballfeste zu organisieren. So verkauft der KTV Visp beispielsweise Eintritte gleich mit Raclette-Gutscheinen und in Altdorf stellt der Hauptsponsor Möbel Muoser eine gemütliche Lounge neben die Spielerbank, auf welcher glückliche Gewinner das Spiel aus nächster Nähe verfolgen können. Der KTV freut sich enorm und hofft, dass das erwartete Cupspektakel dann auch tatsächlich eintrifft.

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